Pädokriminelle Foren: Warum löscht niemand die Aufnahmen? | STRG_F

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Key ideas

  • STRG_F und Panorama ließen durch automatisierte Abuse-Meldungen rund 80.000 Links und 13,55 Terabyte Missbrauchsmaterial von sechs regulären Filehostern innerhalb von maximal 48 Stunden löschen. (25:16)
  • Pädokriminelle Darknet-Foren lagern speicherintensive Bild- und Videodateien überwiegend nicht im Tor-Netzwerk, sondern passwortgeschützt bei frei zugänglichen Cloud- und Filehostern im Clear Web. (2:37)
  • Der Administrator eines weltweiten Forums räumte gegenüber den Journalisten ein, dass konsequente und dauerhafte Löschaktionen eine Plattform zermürben und letztlich zur Schließung treiben können. (27:14)
  • Das Bundeskriminalamt priorisiert die Täteridentifikation und Beschlagnahmung von Hardware, während das systematische Entfernen von Download-Links aus personellen Gründen als Sisyphusarbeit eingestuft wird. (27:55)

Detailed notes

## Background Die Reportage wurde am 2. Dezember 2021 vom investigativen Funk-Format STRG_F auf YouTube veröffentlicht und entstand in gemeinsamer Recherche mit dem ARD-Magazin Panorama. Laut Videobeschreibung thematisiert der Beitrag sexualisierte Gewalt gegen Kinder und geht der Frage nach, warum Behörden pädokriminelle Foren im Darknet nicht durch systematisches Löschen der verlinkten Daten lahmlegen, obwohl zwei Reportern genau das mit rund 80.000 Links und über 13 Terabyte Datenmaterial gelang.

## TL;DR Die Reporter Daniel Moßbrucker und Robert Bongen decken auf, dass illegale Missbrauchsdarstellungen aus Darknet-Foren überwiegend auf gewöhnlichen Filehostern im regulären Internet gespeichert sind und per einfacher Abuse-Meldung zügig entfernt werden können. Mithilfe eines umgebauten Skripts lassen die Journalisten über 13,5 Terabyte strafbares Material von sechs Hostern löschen, was selbst der Administrator der Plattform als zermürbende Schwachstelle einräumt. Trotz der enormen Belastung für Betroffene wie Marcel Jeninga, dessen missbrauchte Tochter auf hunderttausenden Bildern zu sehen ist, betrachten Strafverfolger wie das BKA die reine Linklöschung als zweitrangige Sisyphusarbeit gegenüber der Täteridentifikation. Während Innenminister Herbert Reul den Ansatz der dauerhaften Zerrüttung als kluge Strategie bewertet, zeigt die Recherche die gravierende Diskrepanz zwischen behördlichem Fokus und pragmatischem Opferschutz auf.

## Atmosphere & style Die Recherche ist von einer bedrückenden Schwere und spürbaren Dringlichkeit durchdrungen, die sich mit wachsender Fassungslosigkeit der Reporter über die Untätigkeit der Behörden paart. Die intimen, emotional aufwühlenden Momente mit trauernden und kämpfenden Angehörigen stehen in hartem Kontrast zu der nüchtern-technischen Kälte des Forenbetriebs und den bürokratischen Rechtfertigungen hochrangiger Ermittler. Man spürt beim Zusehen das zähe Ringen zwischen Ohnmacht und digitaler Ermächtigung, wenn einfache Klicks genügen, um jahrelang ungestörte Missbrauchsnetzwerke ins Wanken zu bringen.

## Bulletin - [25:16](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1516s) STRG_F und Panorama ließen durch automatisierte Abuse-Meldungen rund 80.000 Links und 13,55 Terabyte Missbrauchsmaterial von sechs regulären Filehostern innerhalb von maximal 48 Stunden löschen. - [02:37](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=157s) Pädokriminelle Darknet-Foren lagern speicherintensive Bild- und Videodateien überwiegend nicht im Tor-Netzwerk, sondern passwortgeschützt bei frei zugänglichen Cloud- und Filehostern im Clear Web. - [27:14](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1634s) Der Administrator eines weltweiten Forums räumte gegenüber den Journalisten ein, dass konsequente und dauerhafte Löschaktionen eine Plattform zermürben und letztlich zur Schließung treiben können. - [27:55](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1675s) Das Bundeskriminalamt priorisiert die Täteridentifikation und Beschlagnahmung von Hardware, während das systematische Entfernen von Download-Links aus personellen Gründen als Sisyphusarbeit eingestuft wird.

## Key takeaways - [00:00](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=0s) Trotz der Zerschlagung der Plattform Boystown tauchte nur fünf Tage nach der Festnahme der Administratoren ein vollständiger Dump im Netz auf, wodurch viele Missbrauchslinks weiterhin funktionierten. - [02:37](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=157s) Technische Schwachstelle der Täter: Darknet-Server sind zu instabil für große Datenmengen, weshalb die eigentlichen Dateien auf gewöhnlichen Clear-Web-Hostern mit Domains wie .fr oder .com liegen. - [05:05](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=305s) Bereits einfache, standardisierte Abuse-Meldungen führten dazu, dass Hoster Dateien löschten, die teils über Jahre hinweg ununterbrochen online abrufbar gewesen waren. - [07:02](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=422s) Für die Opfer bedeutet die dauerhafte Zirkulation des Missbrauchsmaterials im Netz ein lebenslanges Trauma und die ständige Belastung, dass Fremde ihr Leid konsumieren. - [08:52](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=532s) Ermittlungsbehörden wie die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt betrachten die dauerhafte Löschung geteilter Dateien als 'Kampf gegen Windmühlen', da das Material auf privaten Speichermedien verbleibt. - [11:12](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=672s) Massenhafte Löschungen erzeugen erhebliche Unruhe in der Foren-Community, da das erneute Hochladen von Gigabytes an Daten für die Täter einen hohen zeitlichen Aufwand bedeutet. - [12:40](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=760s) Ein deutscher Filehoster-Betreiber berichtete, dass deutsche Behörden in drei Jahren lediglich wegen rund fünf Bildern anfragten, woraufhin STRG_F ihm über 100.000 Links auf einmal meldete. - [12:40](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=760s) Nach dem sogenannten Hoster-Privileg haften Plattformbetreiber für Nutzer-Uploads erst ab dem Moment, in dem sie konkrete Kenntnis über strafbare Inhalte erlangen. - [17:21](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1041s) Ein französischer Filehoster stellte nach der Konfrontation mit dem massenhaften Missbrauch seiner Infrastruktur den gesamten Betrieb dauerhaft ein. - [19:50](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1190s) Marcel Jeninga, dessen Tochter jahrelang schwer missbraucht und fotografiert wurde, fordert von den Behörden ein deutlich aktiveres Vorgehen gegen die Verbreitung der Bilder im Netz. - [24:18](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1458s) Ein von den Tätern zur Link-Überprüfung entwickeltes Skript wurde von den Reportern zweckentfremdet, um systematisch funktionierende Missbrauchslinks im Darknet aufzuspüren und bündelweise zu melden. - [25:16](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1516s) Innerhalb weniger Stunden wurden 80.000 Links an sechs Filehoster übermittelt, was zur restlosen Beseitigung von 13,55 Terabyte Daten führte. - [27:14](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1634s) Der Forums-Administrator 'The Antediluvian' bestätigte, dass systematisches Löschen von Inhalten das Forum 'zu Tode nerven' und unbrauchbar machen kann. - [27:55](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1675s) Das Bundeskriminalamt konzentriert seine Kapazitäten auf das Ermitteln aktiver Missbrauchstäter, veranlasste im Vorjahr rund 7.000 Löschungen und hält flächendeckende Link-Überwachung für personell nicht leistbar. - [33:12](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1992s) NRW-Innenminister Herbert Reul befürwortet die Zermürbungsstrategie durch Nadelstiche und kündigt an, das kontinuierliche Unbrauchbarmachen von Foreninhalten polizeilich prüfen zu lassen.

## Detailed walkthrough ### [00:00](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=0s) 13 Terabyte Missbrauchsmaterial und das Phänomen Boystown

Das STRG_F-Team beginnt die Recherche mit einer erschütternden Bilanz: Den Reportern ist es gelungen, das weltweit größte Forum für den Austausch von Aufnahmen sexualisierter Gewalt gegen Kinder empfindlich zu treffen. Indem sie über 13 Terabyte an Fotos und Videos löschen ließen, legten sie die Plattform zeitweise fast lahm. Es ging dabei um zahllose Stunden schwerster Missbrauchsdarstellungen, die mit verblüffend einfachen Mitteln entfernt werden konnten. Vor diesem Hintergrund formuliert das Team die zentrale Leitfrage der gesamten Untersuchung: „Alter, warum macht das kein anderer?“

```mermaid flowchart TD accTitle: Technischer Ablauf der Dateiverteilung accDescr: Schaubild zeigt die Trennung zwischen Foren im Darknet und Filehostern im Clear Web.

subgraph Darknet["Darknet (Anonym)"] Forum["Pädokriminelles Forum<br/>(Diskussion, Links, Passwörter)"] User["User kopiert Download-Link"] end

subgraph ClearWeb["Clear Web (Reguläres Internet)"] Hoster["Filehoster / Cloud-Speicher<br/>(Hosting der GB-schweren Archive)"] Reporter["Reporter meldet Missbrauchs-Link"] end

Forum -->|"Verlinkt auf"| Hoster User -->|"Lädt herunter via"| Hoster Reporter -->|"Sende Abuse-Report & Passwort"| Hoster Hoster -->|"Löscht Missbrauchsdatei"| Hoster ```

Um die Dimensionen solcher Netzwerke zu verdeutlichen, blickt der Beitrag zurück auf den 12. April im paraguayischen Belén: Deutsche und internationale Einsatzkräfte stürmten gegen 20:00 Uhr ein abgelegenes Haus, um den deutschen Staatsbürger Christian Manfred K. festzunehmen. K. agierte unter dem Pseudonym „Progressor“ als führender Administrator von *Boystown*, einer der damals größten Darknet-Plattformen mit rund 400.000 registrierten Mitgliedern weltweit. Während Behörden und Medien den Schlag gegen das Forum und die Festnahme von insgesamt vier deutschen Tatverdächtigen als historischen Ermittlungserfolg feierten, hielt die Erleichterung nicht lange an: Nur fünf Tage nach der offiziellen Abschaltung lud ein Nutzer in einem anderen Forum einen sogenannten „Dump“ hoch – eine vollständige Spiegelung von Boystown, womit das Forum samt Verlinkungen faktisch wieder online war.

- Am 12. April erfolgte der Zugriff auf den Boystown-Administrator „Progressor“ (Christian Manfred K.) in Paraguay. - Boystown umfasste zum Zeitpunkt der Zerschlagung weltweit etwa 400.000 registrierte Nutzerkonten. - Ein kompletter Dump der Plattform tauchte bereits fünf Tage nach der Schließung in einem anderen Untergrundforum auf.

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[02:37](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=157s) Die technische Schwachstelle: Speicherung im regulären Clear Web

Die Journalisten richten für ihre Untersuchung einen separaten Arbeitsraum mit strikten Sicherheitsvorkehrungen ein; unter anderem ist das direkte Laden oder Betrachten von Bildmaterial softwareseitig blockiert. Bei der Analyse der Datenspuren stoßen sie auf ein grundlegendes technisches Missverständnis über Darknet-Strukturen: Die eigentlichen Mediendateien – darunter Videos, die den schweren Missbrauch teils elfjähriger Kinder zeigen – liegen keineswegs auf versteckten Darknet-Servern. Da die Bereitstellung riesiger Datenmengen über das anonyme Tor-Netzwerk zu instabil und speicherintensiv wäre, weichen die Täter auf gewöhnliche Filehoster im regulären Internet (Clear Web) aus.

Diese Hoster funktionieren nach demselben Prinzip wie kommerzielle Cloud-Speicher (etwa Dropbox oder Google Drive). Die Kriminellen laden dort Archive hoch, schützen diese oft mit Passwörtern und teilen im Darknet lediglich den Zugangslink sowie das Kennwort. Für den Hoster sieht die Datei wie gewöhnlicher Datenverkehr aus. Diesem Schema folgend nimmt sich das Team die aktuell weltweit größte Plattform vor – ein Forum mit rund 3,7 Millionen registrierten Nutzerkonten und offen zynischen Leitsätzen, dessen Name zum Schutz vor Nachahmung nicht genannt wird.

- Sicherheitskonzept: Die Reporter recherchieren in einem abgetrennten Raum und verhindern das Rendern strafbarer Bildinhalte. - Dateiendungen und Serveradressen der verlinkten Hoster enden auf reguläre Top-Level-Domains wie `.fr` oder `.com`. - Die untersuchte Plattform verzeichnet rund 3,7 Millionen registrierte Nutzerkonten (wobei die reale Personenzahl durch Mehrfachanmeldungen geringer sein dürfte).

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[05:05](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=305s) Manuelle Abuse-Meldungen und die Konfrontation der Hoster

Die Reporter beginnen damit, strukturierte Listen von Download-Links samt den dazugehörigen Passwörtern aus den Threads herauszukopieren. Über das sogenannte Abuse-Verfahren informieren sie anschließend die Betreiber der Speicherdienste per E-Mail darüber, dass auf deren Servern Aufnahmen von Kindesmissbrauch lagern. Obwohl viele dieser Hoster weltweit verstreut sind und mit Anonymität werben, bieten sie standardisierte Kontaktformulare oder E-Mail-Adressen für Rechtsverstöße an.

Bereits nach den ersten 120 versendeten Meldungen zeigt sich ein klares Bild: Die Dienste entfernen das gemeldete Material umgehend. Dateien, die teils über zwei Jahre hinweg ununterbrochen online standen und schwerste Gewalt an Babys und Kleinkindern dokumentierten, verschwinden innerhalb kürzester Zeit. Das Team reagiert fassungslos auf die Leichtigkeit, mit der sich dieser Löschprozess anstoßen lässt, und Daniel Moßbrucker bringt die Frustration über das behördliche Vakuum auf den Punkt: „Und mich kostet's 'ne Mail, und der Inhalt ist runtergenommen. Ähm... da frag ich mich dann schon echt häufig so... Alter... warum macht das kein anderer?“

- Nach den ersten 120 Meldungen wurden die betroffenen Missbrauchsinhalte von den Hostern gelöscht. - Manche der gemeldeten Dateien waren zuvor über zwei Jahre lang ununterbrochen im Clear Web abrufbar.

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[07:02](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=422s) Das lebenslange Trauma der Betroffenen

Um zu begreifen, welche psychischen Folgen das unkontrollierte Kursieren solcher Aufnahmen hat, sucht STRG_F den Kontakt zu Opfern. Reporter Robert Bongen verabredet sich telefonisch mit einer jungen Frau, die als Kind von ihrem eigenen Onkel missbraucht wurde und deren Missbrauchsbilder seit Jahren im Internet zirkulieren. Im Vorgespräch sichert er ihr ein Treffen ohne Kamera zu, um den sensiblen Rahmen zu wahren.

Unmittelbar nach dem Telefonat schildert Bongen tief bewegt die Verzweiflung der Betroffenen: „Boah, Alter, ey. Das sind echt Gespräche, wo du genau weißt, dass diese Menschen so viel krasse Dinge erlebt haben.“ Sie leide permanent unter dem Gedanken, dass in genau diesem Moment Fremde im Internet die Aufnahmen ihres Leids konsumieren könnten – eine Ungewissheit, die ein seelisches Abschließen mit den Taten unmöglich mache. Kurz nach dem Telefonat sagt die junge Frau das persönliche Interview wieder ab, weil die Belastung schlicht zu groß ist.

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[08:52](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=532s) „Kampf gegen Windmühlen“: Die Haltung der Ermittlungsbehörden

Zurück beim Fall Boystown testen die Journalisten die Links aus dem wiederaufgetauchten Dump und stellen fest, dass viele der alten Download-Verbindungen weiterhin funktionsfähig sind. Sie konfrontieren daraufhin Julia Bussweiler, Oberstaatsanwältin bei der federführenden Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main. Bussweiler erläutert zunächst die gefährliche Dynamik solcher Foren: Beschuldigte hätten in Vernehmungen ausgesagt, dass die ständige Anwesenheit in der Community sie unter Druck gesetzt und dazu motiviert habe, „noch mehr Missbrauchshandlungen an meinen Kindern zu begehen, weil die Community mich dazu aufgefordert hat, noch mehr Material zu posten.“

Als die Reporter ihr jedoch vorführen, dass die Links aus Boystown trotz des Festnahmeerfolgs weiterhin live im Netz stehen, reagiert die Ermittlerin ernüchtert und betont: „Es gibt diesen Spruch: ‚Das Netz vergisst nie.‘ Er ist leider hundertprozentig wahr.“ Aus Sicht der Strafverfolger sei das dauerhafte Beseitigen der Dateien aufgrund lokaler Kopien auf unzähligen privaten Speichermedien schlicht nicht machbar; man führe hier einen sprichwörtlichen „Kampf gegen Windmühlen“. Dennoch entschließt sich das Rechercheteam, sich mit dieser Resignation nicht abzufinden, und sammelt eigenständig zehntausende weitere Links, um das Löschpotenzial im großen Maßstab zu testen.

- Täterdynamik: Forenmitglieder verleiten sich gegenseitig zu schwereren Taten, um neues Bildmaterial für den Community-Status zu liefern. - Julia Bussweiler (Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main) bezeichnet das systematische Nachverfolgen und Löschen aller geteilten Inhalte als „Kampf gegen Windmühlen“.

[11:12](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=672s) Die Löschoffensive zeigt Wirkung im Darknet-Forum

Täglich werden weitere Links erfasst und an die entsprechenden Filehoster gemeldet. Schon nach kurzer Zeit gehen hunderte Links pro Tag offline. Das Team stellt fest, dass drei Hoster besonders schnell reagieren und gemeldete Inhalte binnen weniger Minuten oder maximal Stunden vollständig entfernen. Diese massenhaften Löschungen bleiben der Nutzerschaft des Forums nicht verborgen. Erste Forenmitglieder bemerken irritiert, dass reihenweise Verweise verschwinden und offensichtlich gezielt gemeldet werden. Viele der pädokriminellen Nutzer sind einen solchen Widerstand überhaupt nicht gewohnt und reagieren im Forum zunehmend verärgert und frustriert.

Ein Nutzer gibt sich besonders angriffslustig und pöbelt im Forum, die Journalisten sollten seine Links ruhig melden – er werde einfach immer weiter und noch mehr Material hochladen. Das Rechercheteam nimmt diese Herausforderung an: Obwohl sie Journalisten sind, rufen sie das Profil des Nutzers auf, durchsuchen systematisch all seine bisher veröffentlichten Uploads und melden jeden einzelnen Link an die Provider. Wenig später ist das gesamte Material des Nutzers restlos aus dem Netz verschwunden. Der zeitliche Aufwand steht dabei in einem extremen Missverhältnis, wie Daniel Moßbrucker festhält: „Es dauert für uns nur ein paar Minuten, zu löschen. Aber es dauert für die Pädos viel, viel länger, alles wieder hochzuladen.“

[12:40](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=760s) Konfrontation mit einem deutschen Filehoster

Das Team fragt sich, ob die Betreiber der Filehoster tatsächlich nichts davon wissen, welche illegalen Daten auf ihren Systemen lagern. Bei einem Anbieter, der extrem schnell auf Missbrauchsmeldungen reagiert und Inhalte sofort löscht, stößt das Rechercheteam auf eine Einzelperson aus Süddeutschland. Im Rahmen der Recherche übermitteln die Journalisten eine Liste mit über 100.000 Links an diesen Betreiber. Nach anfänglichem Schweigen löscht der Betreiber die gewaltige Datenmenge tatsächlich innerhalb von nur drei Stunden. Er willigt in ein persönliches Treffen ein, bricht danach jedoch den Kontakt ab. Auf gut Glück fährt das Team zu seiner Adresse. Vor Ort müssen sie per Textnachricht kommunizieren, da der Mann gehörlos ist. Schließlich öffnet er die Tür und willigt spontan in ein gefilmtes Smartphone-Interview ein, das von einer bereitstehenden Gebärdendolmetscherin übersetzt wird.

Auf die Frage, was er beim Erhalt der Liste mit 100.000 Links empfunden habe, schildert der Betreiber über die Dolmetscherin seine unmittelbare Panik: „Ich hab die E-Mail geöffnet, hab sie gelesen. Und das war sofort 'n absoluter Schock für mich. Dann hab ich Angst erst mal bekommen, dass die Polizei mich jetzt vielleicht festnimmt.“ Jede Sekunde sei in diesem Moment kostbar gewesen, weshalb er sofort alles gelöscht habe. Rechtlich greift hier das sogenannte Hoster-Privileg: Betreiber von Plattformen mit Millionen von Nutzer-Uploads sind nicht verpflichtet, sämtliche Inhalte vorab proaktiv zu kontrollieren, was angesichts der Datenmengen auch technisch kaum machbar wäre. Sie sind jedoch gesetzlich dazu verpflichtet, illegal gemeldete Inhalte unverzüglich zu entfernen, sobald sie Kenntnis davon erlangen.

```mermaid flowchart TD accTitle: Prozess des Hoster-Privilegs accDescr: Ablauf von Upload ueber Meldung bis zur Loeschung durch den Filehoster

subgraph Hosting ["Plattform-Betrieb"] A["Nutzer laden Millionen Dateien hoch"] --> B["Hoster speichert Daten ohne Vorabpruefung"] end

subgraph Meldung ["Rechtlicher Mechanismus (Hoster-Privileg)"] B --> C{"Kenntnis ueber Illegalitaet?"} C -->|"Nein"| D["Dateien bleiben online"] C -->|"Ja: Meldung von aussen (Abuse-Report)"| E["Pruef- und Loeschpflicht greift"] end

subgraph Loeschung ["Reaktion"] E --> F["Sofortige Entfernung der Server-Dateien"] F --> G["Material fuer Forum-Nutzer unbrauchbar"] end ```

Auf die Frage, wie oft deutsche Ermittlungsbehörden ihn in der Vergangenheit kontaktiert hätten, offenbart der Betreiber eine verblüffend niedrige Bilanz: - **2019:** Lediglich eine einzige Anfrage einer deutschen Behörde. - **2020:** Keinerlei Kontaktaufnahme durch deutsche Ermittler. - **2021:** Etwa dreimaliger Behördenkontakt. - **Gesamtzahl betroffener Bilder:** Über all diese behördlichen Anfragen hinweg ging es um insgesamt rund fünf Bilder – im drastischen Kontrast zu den mehr als 100.000 Missbrauchsabbildungen, die STRG_F innerhalb eines einzigen Vorgangs an ihn übermittelte. - **Konsequenz des Hosters:** Nach den Recherchen versucht der Betreiber, anonyme Zugänge zu seinem Dienst technisch zu sperren.

[17:21](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1041s) Reaktionen internationaler Hoster und jahrelanges Behördenversagen

Nicht nur der deutsche Betreiber reagiert umgehend: Weltweit löschen die meisten kontaktierten Filehoster innerhalb von maximal 48 Stunden. Ein Anbieter aus Frankreich reagiert so schockiert auf die Dokumentation des Rechercheteams, dass er seinen Dienst nach jahrelangem Betrieb vollständig einstellt. In einem öffentlichen Abschiedsbrief an seine Nutzerschaft erklärt er, er habe massenhafte Hinweise darauf erhalten, dass seine Plattform für kinderpornografische Inhalte missbraucht worden sei, weswegen er das Hosting komplett einstampfe.

Weil Ermittlungsbehörden diese Hoster fast nie mit konkreten Abuse-Meldungen konfrontieren, verbleiben schwerste Missbrauchsdarstellungen oft über Jahre hinweg ungestört online. Der älteste funktionierende Link, den das Rechercheteam fand, lag seit sechs Jahren ununterbrochen auf demselben Server. Ein weiteres Beispiel zeigt den schweren Missbrauch eines sechsjährigen Mädchens auf 43 Bildern, der zwei Jahre lang frei zum Download bereitstand. Für die Journalisten genügte ein einzelner Hinweis und ein Zeitaufwand von nur zehn Minuten, um diesen Serverinhalt dauerhaft verschwinden zu lassen.

[19:50](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1190s) Einzelschicksal: Das Leid von Marcel Jeninga

Reporter Robert Bongen trifft Marcel Jeninga, einen gebürtigen Niederländer, der seit einigen Jahren in Deutschland lebt. Dessen Tochter wurde vom Säuglingsalter bis zu ihrem dritten Lebensjahr von einem Nachbarn namens Gert schwer sexuell missbraucht. Die Großmutter hatte den Mann wiederholt ins Haus gelassen, wenn die Eltern abwesend waren. Aufgeflogen war die Tat erst, als Marcel Jeninga bei seiner damals dreijährigen Tochter blutende Verletzungen bemerkte und das Kind auf Nachfrage der Mutter angab: „Ja, hat Gert gemacht.“

Der Täter, der zunächst inhaftiert war und mittlerweile in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung untergebracht ist, fertigte bei den Taten im Wohnhaus der Familie über 100.000 Fotos und Videos an, auf denen das Kleinkind unter anderem mit Klebeband und Kabelbindern fixiert wurde. Diese extremen Aufnahmen stellte er ins Internet und Darknet. Marcel Jeninga gründete die Organisation „Kampf Gegen Missbrauch“, leidet jedoch bis heute massiv unter dem Gedanken, dass die Qualen seiner Tochter weltweit konsumiert werden. Im Gespräch kämpft er sichtbar mit den Tränen: „Ich finde das heftig. Warum? Dass meine Tochter... ist im Internet zu finden. Und das ist knallhart Kinderporno. Und... die Pädophilen gucken nach meiner Tochter und das finde ich... so abartig... Ich hab da auch kein Wort jetzt in meinem Mund. Aber ich finde das so schrecklich. Und das muss so schnell wie möglich aus dem Internet. Aber ich weiß, es ist schwierig, das runterzukriegen. Aber die Behörden müssen mehr machen. Um das... runterzuholen.“ Als die Reporter ihm erzählen, dass sie zehntausende Links innerhalb von Tagen löschen lassen konnten, reagiert er fassungslos: „Das ist doch Wahnsinn.“

[24:18](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1458s) Das Skript der Täter als Bumerang

Um auf die massenhaften Löschungen zu reagieren, entwickeln die Nutzer des Pädokriminellen-Forums ein eigenes technisches Werkzeug. Sie programmieren ein Skript, das automatisiert überprüft, welche der eingestellten Links noch live sind und zu Dateien führen und welche Links bereits gelöscht oder gemeldet wurden. Dieses Skript stellen sie direkt ins Forum, damit alle Uploader auf einen Blick sehen können, welche Inhalte sie erneut ins Netz stellen müssen.

Doch was als Gegenmaßnahme der Täter gedacht war, entwickelt sich für das Rechercheteam zu einem nützlichen Hebel. Das Skript zeigt schließlich nicht nur den Tätern den Status des Materials an, sondern lässt sich genauso von den Journalisten verwenden. Anstatt mühsam manuell nachzusehen, können nun auch die Rechercheure in Sekundenschnelle erkennen, welche Missbrauchsdarstellungen noch immer online abrufbar sind, um diese sofort gezielt bei den Hostern zu melden: „Wenn du siehst, welche Links noch live sind, können wir das ja auch.“

[25:16](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1516s) Der Skript-Großangriff und die Reaktion der Filehoster

Die Reporter bauen das zuvor entdeckte Skript, das Pädokriminelle zum Aufspüren funktionierender Links nutzten, kurzerhand um und machen daraus ein eigenes Werkzeug gegen die Plattform. Eine ganze Nacht lang lassen sie das Programm über das gesamte Forum laufen, um systematisch Links abzugrasen. Statt einiger hundert Adressen erfasst die automatisierte Suche nun Zehntausende Verlinkungen, die anschließend gebündelt an die zuständigen Filehoster geschickt werden. Sollte der Plan aufgehen, bleibt von dem riesigen Forum nur noch eine leere Hülle ohne abrufbare Inhalte zurück.

```mermaid flowchart LR accTitle: Prozess der massenhaften Löschung accDescr: Das umgebaute Skript sammelt Links aus dem Forum und meldet sie an Filehoster, die daraufhin TB an Daten löschen. subgraph Forum["Darknet-Forum"] A["Umgebautes Skript"] -->|"durchsucht Forum über Nacht"| B["Rund 80.000 Links"] end subgraph TakeDown["Meldung & Löschung"] B -->|"Löschersuchen gesendet"| C["6 Filehoster"] C -->|"binnen 48 Stunden"| D["13,55 TB Daten gelöscht"] end ```

Kurz darauf zeigt die automatisierte Überwachung erste Ergebnisse: Einer der größten Hoster, der schwedische Anbieter Solidfiles, reagiert umgehend. Im Statusmonitor kippen die Einträge sekundenschnell von „up“ auf „down, down, down“. Parallel trifft per E-Mail die offizielle Bestätigung ein: „Guten Tag, ihr Löschersuchen wurde bearbeitet und es ist für valide befunden worden.“

- **Umfang der Meldung:** Rund 80.000 Links wurden an insgesamt sechs verschiedene Filehoster übermittelt. - **Gelöschtes Datenvolumen:** 13,55 Terabyte an Material wurden vollständig entfernt, was rechnerisch rund einem Jahr Videomaterial in durchgehender HD-Qualität entspricht. - **Reaktionszeit:** Alle sechs Hoster entfernten die gemeldeten Inhalte spätestens innerhalb von 48 Stunden; auf inhaltliche Anfragen zu den Vorgängen reagierten die meisten Anbieter jedoch mit Schweigen.

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[27:14](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1634s) Kontaktaufnahme mit dem Administrator „The Antediluvian“

Parallel zu der groß angelegten Meldeaktion nehmen die Journalisten direkten Kontakt zum Administrator des Forums auf und teilen ihm mit, dass sie für das Verschwinden der Links verantwortlich sind. Der Betreiber tritt unter dem Pseudonym *The Antediluvian* auf – ein biblischer Verweis auf die Zeit vor der Sintflut. Überraschenderweise antwortet er prompt auf die Nachricht.

Für den Admin steht sofort fest, dass es sich bei den Absendern um keine staatlichen Ermittler handeln kann, da Strafverfolgungsbehörden seiner Erfahrung nach so nicht vorgehen. Auf die Nachfrage, ob das systematische Löschen dem Forum überhaupt nachhaltig schade, räumt er unumwunden ein: „Klar, man könnte so ein Forum zu Tode nerven.“ Werde das Material dauerhaft und konsequent entfernt, bestehe die reale Gefahr, dass frustrierte Nutzer abwandern und die Betreiber den Dienst mangels Attraktivität schließlich ganz aufgeben müssten.

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[27:55](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1675s) Diskrepanz beim BKA: Löschen versus Identifizieren

Die Rechercheure konfrontieren die Strafverfolgungsbehörden mit der Frage, warum dieses simple Vorgehen nicht längst Standard ist. Schließlich betont auch die Politik die Bedeutung der Inhaltslöschung: Bundesinnenminister Horst Seehofer erklärt in einer Einblendung unmissverständlich: „Die Löschung dieser Bilder und Videos ist daher unverzichtbar.“ Beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden treffen die Reporter auf Hans-Joachim Leon, den obersten BKA-Ermittler im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Kindern, dessen Einheit unter anderem die Hintermänner der Plattform *Boystown* überführte.

Leon demonstriert zunächst das reguläre BKA-Vorgehen anhand einer durch jugendschutz.net gemeldeten Seite mit strafrechtsrelevanten Darstellungen junger Mädchen. Im Schnitt dauere es anderthalb bis zwei Tage, bis gemeldete Seiten vom Netz genommen werden; im gesamten vergangenen Jahr veranlasste das BKA so rund 7.000 Löschungen. Leon unterstreicht dabei den zweifachen Nutzen: Das Material diene bisher unentschlossenen Tätern oft als Einstiegstor, zudem gehe es schlicht um den Schutz der Opfer vor dauerhafter Viktimisierung: „Und das ist essentieller Auftrag auch an die Strafverfolgungsbehörden.“

Als die Journalisten ihm darlegen, dass sie als Einzelpersonen innerhalb von sechs Stunden rund 80.000 Links (13,55 TB) gemeldet und binnen 48 Stunden komplett aus dem Netz entfernt haben, reagiert Leon zurückhaltend. Er verweist auf den Unterschied zwischen dem Hoster und dem eigentlichen Täter: „Sie haben es aus dem Netz gelöscht, aber Sie haben es von der Festplatte des Täters nicht gelöscht.“ Für Ermittler gehe es primär darum, Plattformen ganz abzuschalten, aktive Missbrauchstäter zu identifizieren und Netzwerke zu zerschlagen; man könne nicht Hunderte Beamte dafür abstellen, das Internet rund um die Uhr auf Links zu überwachen. Auch auf das Argument, dass Betroffene massiv unter der ständigen Wiederverfügbarkeit der Aufnahmen leiden, entgegnet Leon, die Bilder lägen auf tausenden privaten Servern und würden ohnehin wieder hochgeladen: „Natürlich haben Sie recht. Aber wir müssten schauen, wer für den Bereich dann zuständig ist.“

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[33:12](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1992s) Politische Reaktionen und die Debatte um die richtige Strategie

Im Anschluss an das BKA-Gespräch diskutieren die Reporter die Haltung der Behörden. Es dürfe kein falsches Entweder-oder geben: Ermittlungen und Täterfestnahmen seien zweifellos essenziell, doch das rechtfertige nicht, die Foren völlig ungestört wachsen zu lassen, während sich dort immer mehr Nutzer mit immer extremerem Material eindecken.

Die Journalisten konfrontieren daraufhin Herbert Reul, den Innenminister von Nordrhein-Westfalen, der sich seit Jahren öffentlichkeitswirksam gegen Missbrauchsdarstellungen im Netz positioniert. Reul zeigt sich offen für den Ansatz, Foren durch kontinuierliches Entfernen der Uploads unbrauchbar zu machen:

| Akteur / Instanz | Position zur massenhaften Link-Löschung | |---|---| | **BKA (Hans-Joachim Leon)** | Priorität liegt fast ausschließlich auf Täteridentifikation und Beschlagnahmung von Hardware; Löschen von Uploads wird ressourcenbedingt als Sisyphusarbeit betrachtet. | | **Innenminister NRW (Herbert Reul)** | Hält die Strategie der kontinuierlichen Störung für klug und prüfenswert; vergleicht sie mit polizeilichen Zermürbungstaktiken in anderen Kriminalitätsfeldern. | | **Forums-Administrator** | Bestätigt die Effektivität: Permanentes Löschen nervt die Community „zu Tode“ und kann Foren zur Schließung treiben. |

Reul zieht Parallelen zu anderen Kriminalitätsbereichen, in denen Nadelstiche und Zermürbung Wirkung zeigen: „Verbrechen kannst du nicht mit einem Schlag aufklären, bei manchen musst du dranbleiben, stören, unattraktiv machen, es erschweren, es ist eine interessante und kluge Strategie, keine Frage.“ Er kündigt an, prüfen zu wollen, wie ein solches Konzept in der Praxis umgesetzt werden kann.

Zum Abschluss verweist der Beitrag auf das Schicksal des in Paraguay gefassten deutschen Chef-Administrators von *Boystown*: Während dieser inzwischen in Deutschland in Haft sitzt, kursieren unzählige seiner einst hochgeladenen Dateien weiterhin frei im Netz, weil niemand ihre Löschung veranlasst hat. Da solche Foren erwiesenermaßen als Katalysator wirken und Pädokriminelle weiter radikalisieren können, bleibt die Kernfrage der Recherche im Raum: Würde eine konsequente, dauerhafte Zerstörung der Dateibestände in den Foren nicht letztlich auch neue Taten in der realen Welt verhindern? Der Beitrag schließt mit dem Aufruf zur Diskussion in den Kommentaren sowie zwei Videoempfehlungen zu entwendeten Kinderbildern aus sozialen Medien und dem KI-Einsatz bei Ermittlungen.

## Mentioned STRG_F, Panorama, ARD, funk, NDR, Boystown, Tor, Dropbox, Google Drive, Solidfiles, Bundeskriminalamt, Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, jugendschutz.net, Kampf Gegen Missbrauch, Christian Manfred K., Marcel Jeninga, Julia Bussweiler, Hans-Joachim Leon, Herbert Reul, Horst Seehofer, Daniel Moßbrucker, Robert Bongen, Benjamin Güldenring, Lutz Ackermann

## Video description ⚠️Warnung: In diesem Video thematisieren wir sexuelle Gewalt gegen Kinder⚠️

Marcel Jeninga fällt es immer noch schwer darüber zu sprechen. Seine Tochter wurde als sehr kleines Kind von einem Nachbarn missbraucht - und der hat davon über 100.000 Fotos gemacht. Viele davon hat er in pädokriminellen Foren im Darknet geteilt. „Ich finde das heftig, die Pädophilen gucken meine Tochter“, sagt er. Er wisse, dass es schwer sei, die Bilder wegzubekommen: „Aber die Behörden müssen mehr machen, um das runterzuholen.“ Ist es wirklich so schwer? Daniel und Benny haben es versucht und Unglaubliches geschafft: Insgesamt rund 80.000 Links, 13,55 Terabyte Daten konnten sie aus dem wohl größten pädokriminellen Forum der Welt entfernen – und das Forum zeitweise fast lahm legen. Sogar der Admin schrieb ihnen und gab zu, dass man ein Forum so auf Dauer zu „Tode nerven“ könne. Was wir uns gefragt haben: Warum macht das eigentlich niemand anderes? Zum Beispiel die Polizei? Eine gemeinsam Recherche von STRG_F mit Panorama (ARD).

Ein Film von Lutz Ackermann, Robert Bongen, Benjamin Güldenring und Daniel Moßbrucker, Kamera: Lutz Ackermann, Robert Bongen, Andrzej Król, Jan Littelmann, Henning Wirtz Schnitt: Claudia Qualmann, Jan Littelmann Grafik: Fritz Gnad

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[Source](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ)

中文简报

恋童犯罪论坛:为何无人删除这些影像? | STRG_F 记者丹尼尔·莫斯布鲁克和罗伯特·邦根调查发现,暗网论坛上的非法虐待影像绝大多数存储在普通明网的文件托管服务商处,通过简单的滥用举报即可迅速予以删除。借助一套修改后的脚本,记者促使六家托管服务商删除了超过13.5TB的违法材料,就连涉事平台的管理员也承认这是令人疲于应对的致命弱点。尽管受害者承受着巨大痛苦(例如马塞尔·耶宁加受虐待的女儿出现在数十万张照片中),但德国联邦刑警局等执法机构认为,相较于查明犯罪分子身份,单纯删除链接属于次要的徒劳工作。内政部长赫伯特·罗伊尔虽将持续扰乱平台运营的手段视为明智策略,但这项调查揭示了官方办案重心与切实保护受害者之间存在的严重脱节。 《STRG_F》和《广角镜》(Panorama)通过自动化滥用举报,在最多48小时内促使六家常规文件托管商删除了约8万个链接和13.55TB的虐待材料。 (25:16) 暗网恋童犯罪论坛大多不会将占用大量存储空间的图像和视频文件保存在Tor网络中,而是以密码保护的形式存放在明网上公开可访问的云端及文件托管平台中。 (2:37) 一家全球性论坛的管理员向记者承认,坚决且持续的删除行动会让平台疲于招架,并最终可能迫使其关停。 (27:14) 德国联邦刑警局优先聚焦于查明罪犯身份并查扣硬件设备,而系统性清除下载链接因人员编制原因被其视为西西弗斯式的徒劳工作。 (27:55)

Detailed notes — zh

## Background 该视频由德国调查报道栏目 STRG_F 与北德广播公司(NDR)旗下的 Panorama 联合制作,于 2021 年 12 月 2 日发布在 YouTube 平台。视频简介指出,本期节目聚焦暗网恋童犯罪论坛的影像传播乱象,讲述记者团队仅凭技术与邮件举报手段便清理了约 8 万条链接与逾 13.5 TB 数据、重创暗网平台,并进而质问为何警方等官方机构未能主动推进此类源头清除工作。 ## TL;DR STRG_F 调查记者团队发现,暗网大型恋童论坛虽隐藏在匿名网络中,其实际存储的虐童多媒体文件却普遍寄宿于明网(Clear Web)的普通商业文件托管商服务器上。记者通过逆向改造暗网自动化脚本并向各托管商提交滥用举报,仅用数小时操作便迫使服务商在 48 小时内删除了约 80,000 条链接、高达 13.55 TB 的暴行影像,甚至令暗网管理员承认此举能将论坛“活活折腾死”。然而,当团队面对受害者家庭无休止的痛苦并质问德国联邦刑警局(BKA)与内政部门时,执法机构却以资源有限、抓捕现行犯与关停整站优先为由,长期忽视了低门槛的源头删除,暴露出官方在打击网络儿童性剥削生态上的重大策略盲区。 ## Atmosphere & style 全片充斥着极度压抑、沉重却又充满行动张力的调查氛围,调查室内面对残酷罪证的沉痛叹息与街头采访中的步步紧逼形成了鲜明对比。镜头在绝望控诉的受害者父亲、惊慌失措的南德独立站长,以及冷静务实却深陷教条的警界高官之间流转,叙事节奏紧凑而直击要害。观众在目睹民间记者用极低成本取得立竿见影的打击成果时,既能感受到技术攻防带来的痛快反差,又会深深陷入对官方体制迟钝与受害者无期创伤的愤慨与无力感中。 ## Bulletin - [25:16](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1516s) STRG_F 调查记者团队利用逆向改造的脚本,仅耗费约 6 小时操作便向 6 家明网文件托管商举报并清除了暗网最大论坛中约 80,000 条链接、总计 13.55 TB 的儿童性虐待影像。 - [02:27](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=147s) 暗网儿童性犯罪论坛普遍采用“暗网发帖讨论与分享密码、明网常规云存储(Filehoster)存放高清大文件”的架构,这使得第三方直接向托管商提交滥用投诉成为阻断传播的高效捷径。 - [00:31](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=31s) 即便德国警方与跨国执法力量在巴拉圭破获了拥有 40 万会员的 Boystown 论坛并抓获管理员,但该平台在被查封仅仅 5 天后就通过完整镜像全盘复活,犯罪影像未被彻底清除。 - [27:55](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1675s) 德国联邦刑警局(BKA)全年仅清理约 7,000 条侵权链接,官方坚持将资源集中于刑侦抓捕与打击现行犯,将网络文件源头清理视作难以为继的“堂吉诃德式风车之战”。 ## Key takeaways - [02:27](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=147s) 暗网儿童性侵论坛因自身带宽与存储限制,高度依赖明网(Clear Web)商业文件托管商存储大容量视频与图片,明网平台大多对此类非法内容不知情。 - [04:29](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=269s) 通过向文件托管商的滥用投诉邮箱(Abuse Mail)批量发送包含密码的举报信,民间力量也能迫使绝大多数服务商在几小时至 48 小时内彻底下架源文件。 - [00:31](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=31s) 官方对 Boystown 等大型暗网平台的刑事打击并未终结违法影像的传播,平台被封后数日内即在暗网涌现完整镜像站,数据依然流通。 - [07:02](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=422s) 受害儿童及其家属长期承受着影像在网络中永久留存、随时被不特定人群观看的二次心理伤害,犯罪分子落网并不等同于侵害画上句号。 - [08:52](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=532s) 暗网交流平台是促成甚至加剧现实中恶性侵犯的温床,社区的群体极端化氛围和索取素材的压力会直接诱导犯罪者对身边儿童下手。 - [12:41](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=761s) 德国法律中的“主机商特权”(Hoster-Privileg)免除了托管平台的主动审查义务,部分独立运营商甚至长年极少接到官方执法部门的协查通报。 - [17:21](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1041s) 民间记者向南德独立托管商一次性提交逾 10 万条涉案链接后,对方在 3 小时内将其彻底清除,而法国一家托管商收到确凿举报后甚至直接选择永久停业关站。 - [24:18](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1458s) 暗网论坛为应对大范围死链而编写的自动化健康检测脚本,反向被调查记者用来高效抓取全站存活链接并批量举报。 - [25:16](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1516s) 暗网论坛管理员向记者坦承,持之以恒地从外部批量打掉明网存储资源,确实足以在生态上将一个暗网犯罪论坛“活活折腾死”。 - [30:33](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1833s) 警方高层在“抓捕施暴现行犯”与“源头清除网络影像”之间存在资源分配争议,认为删除无法根除罪犯硬盘中的存货,因而放弃了常态化大规模下架行动。 - [33:40](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=2020s) 政界高官与调查团队反思指出,瓦解和干扰暗网资源流通生态具有不可替代的预防价值,能有效切断潜在施暴者从网络观看到现实犯罪的极端化演变。 ## Detailed walkthrough ### [00:00](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=0s) 暗网巨型论坛的阴暗面与记者的删帖反击 STRG_F 调查记者团队将目光投向了全球最大的恋童癖犯罪(Pädokriminalität)网络论坛。在这个充斥着极度残忍虐童画面的平台上,记者们通过技术手段直接删除了超过 13 TB 的照片与视频,一度导致该论坛近乎瘫痪。镜头前,面对屏幕上呈现的冰山一角,记者发出沉重的叹息:“这真是太可怕了。”无数记录着对儿童实施严重性暴力的视频在瞬息之间被清理下架。整套操作的实现方式极为基础且出人意料地容易,这也促使团队抛出一个核心疑问:“天啊,为什么没有其他人去做这件事?” ### [00:31](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=31s) 破获 Boystown 平台的背后:虚假的“彻底覆灭” 故事的线索回溯到几个月前南美洲巴拉圭一个名为贝伦(Belén)的偏远乡村小镇。4 月 12 日晚间 8 点左右,全副武装的警员突袭了一栋偏僻民居。执法人员手握国际逮捕令,现场查扣了大量电脑和移动硬盘,目标是一名网名为“Progressor”的德国籍男子 Christian Manfred K.。他是暗网著名儿童色情交易平台“Boystown”的管理员,日常极为严谨细致地审核论坛留言并维护发帖秩序。此次跨国抓捕被德国乃至全球司法机构大肆报道,称其为沉重打击网络儿童性剥削犯罪的重大胜利——拥有超过 40 万名会员、藏有数以万计残忍虐童记录的 Boystown 终被勒令关停,四名涉案德国公民相继落网。 然而,调查记者却在暗网追踪到了令人绝望的事实:在 Boystown 被官方查封仅仅五天后,就有用户在另一个暗网论坛发布了“数据库镜像(Dump)”。这份近乎完整克隆的论坛副本再次向公众开放,意味着 Boystown 事实上已经死灰复燃,所有的犯罪记录仍在传播。 ### [02:27](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=147s) 暗网论坛的运作真相:暗网发帖,明网存片 在配备严密安全防御措施且屏蔽所有图片直显的专用调查室内,记者团队着手分析此类暗网论坛的底层运转逻辑。屏幕上随处可见指向具体侵犯行为的下载信息,甚至明确标注着对一名 11 岁女童进行残害的视频。记者敏锐地察觉到一个关键细节:虽然用户在匿名暗网论坛中交流,但帖子中附带的下载链接根本不是 `.onion` 结尾的暗网网址,而是清一色以 `.fr`、`.com` 结尾的明网(Clear Web)普通商业网盘链接。 暗网论坛由于存储空间与带宽极其有限,犯罪分子根本不会把庞大的视频文件直接存在暗网服务器上。他们的真实操作模式是将高清虐童视频伪装后上传到公开互联网中的商业文件托管商(Filehoster,例如类似 Dropbox、Google Drive 的服务),随后回到暗网论坛将明网链接与解压密码共享给同伙。作为服务商的明网托管平台对自身服务器上寄存的罪恶完全不知情。 ```mermaid flowchart LR accTitle: 恋童网络犯罪存储与传播架构 accDescr: 展示犯罪分子如何利用明网托管商与暗网论坛进行儿童色情内容分发的流程 subgraph SW["明网 (Clear Web)"] Hoster["文件托管商 (Filehoster)<br/>常规商业网盘/云存储"] File["实际视频/图片文件<br/>(13+ TB 虐童数据)"] Hoster --- File end subgraph DW["暗网 (Darknet)"] Forum["暗网论坛 (如 Boystown)<br/>370 万注册账号"] Thread["匿名讨论帖<br/>分享明网下载链接与解压密码"] Forum --- Thread end User["犯罪分子 / 论坛用户"] -->|"1. 上传大文件"| Hoster User -->|"2. 发布下载链接/密码"| Thread OtherUser["其他下载者"] -->|"3. 从暗网获取链接"| Thread OtherUser -->|"4. 直连明网服务器下载"| Hoster ``` ### [04:29](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=269s) 复制黏贴的举报:120 封邮件与被删除的罪证 团队选择针对全球规模最大的同类论坛展开测试。该论坛充斥着令人作呕的标题与版块,注册账号高达约 370 万个(尽管存在大量虚假或小号,但活跃度依然极高)。记者使用的反制手段极其原始:打开帖子,复制明网托管链接,复制提取密码,然后向对应的明网服务商滥用投诉邮箱(Abuse Mail)发送举报信,明确告知:“这些看似常规的文件背后是针对儿童的严重犯罪内容,这是密码,请核验并立即删除。” 这种低门槛的举报带来了立竿见影的效果。尽管很多托管商分布在世界各地并以匿名服务为卖点,但当收到确凿的虐童证据指控时,绝大部分平台都在极短时间内下架了源文件。团队累计发送了 120 份举报,那些在明网服务器上公开存放了长达两年之久、涉及婴儿与幼童的暴行档案被一扫而空。面对这种极度简单却成效斐然的结果,记者既震惊又愤怒地感叹: > “这里的内容在网上挂了两年整,而我只花了一封邮件的功夫,内容就被彻底下架了。这就让我非常频繁地去想……天啊,为什么没有其他人去做这件事?” ### [07:02](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=422s) 受害者的无期徒刑:“随时可能有人在看我的照片” 将这些内容彻底清除,对现实中的受害者到底意味着什么?调查团队记者 Robert 尝试接触一名童年时期遭受亲叔叔性侵的年轻女性。在电话沟通中,Robert 极力照顾对方脆弱敏感的情绪,再三承诺只在线下私下碰面,绝不携带摄像机。 通话结束后,Robert 难掩沉重的心情,长叹一口气说道: > “在这一刻,可能正有某个不知名的人在重新翻看她当年的那些遭遇,那些被拍下的照片;这种挥之不去的念头,让她这辈子都永远无法与这整段梦魇画上句号。” 由于承受着难以想象的精神创伤与再受害恐惧,这名年轻女性在约定见面后不久便发来短信取消了采访,直言自己实在没有勇气当面揭开伤疤。对所有受害儿童而言,只要影像还在网络流传一天,伤害就每分每秒都在持续。 ### [08:52](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=532s) 司法部门的无奈:无休止的“堂吉诃德式风车之战” 调查记者带着 Boystown 镜像站以及其中仍能正常下载的大量明网有效链接,找到了法兰克福总检察院(Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main)的主办检察官 Julia Bussweiler。正是 Bussweiler 带领的团队主导了对 Boystown 的跨国打击行动。 Bussweiler 指出,此类交流论坛是促成现实恶性犯罪的温床。在对落网嫌疑人的审讯中,多名嫌疑人交代了令人心惊的心理演变:“自从加入这个平台并每天在里面泡着与人交流,这种群体氛围促使甚至逼迫我对自己的孩子犯下更多性侵罪行,因为社区一直在煽动我发布更多素材,甚至针对还能怎么做给我出谋划策。”平台不仅聚集恶念,更使整个网络极端化。 然而,当记者向 Bussweiler 展示被封禁的 Boystown 内容已在镜像站全盘复活,并质疑仅仅抓捕四名运维人员却任由内容无限留存显得极不彻底时,Bussweiler 表现得相当冷静与宿命论。她直言面对网络犯罪必须抛弃不切实际的幻想: > “人们常说‘互联网永远不会遗忘’,这句不幸的话百分之百是事实。我完全理解这种想法,但归根结底……是的,这是一场与风车的战斗(徒劳无功的抗争)。” 即便官方认定这材料如同野火般无法扑灭,调查记者依然没有停下手头的行动,继续逐一排查、搜集论坛中泛滥的每一个明网存储链接。 - **核心数据与涉案事实**: - 记者团队通过单兵手动举报,累计成功删除超过 **13.55 TB** 的儿童性侵影像,清理链接约 **80,000 个**。 - Boystown 论坛被查封前拥有全球会员 **40 万人**,下线时记录的恶性虐待影像达数万条。 - 记者测试的当前全球最大暗网论坛拥有高达 **370 万** 个注册账户。 - 在 Boystown 被德国联邦刑警与多国警方宣布关停仅仅 **5 天** 后,包含全部数据与外部链接的完整 Mirror 镜像就被重新公开传播。 ### [11:12](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=672s) 论坛骚乱与记者的反击 记者的行动节奏迅速加快,每天都向文件托管服务商举报更多违法链接,每天导致数百条暗网分享链接彻底失效。在此期间,已有三家托管商做到了在收到举报后数分钟或至多几小时内彻底清除所有相关内容。暗网论坛内部很快嗅到了异样,开始有用户发帖惊呼情况反常,许多活跃链接正被批量封禁。长期习惯了隐秘与安全的暗网用户显得既愤怒又沮丧。其中一名态度极为嚣张的用户公开挑衅道:“让那些混蛋去举报链接吧,我只会越传越多、越传越多……”面对挑衅,调查团队顺藤摸瓜点开该用户的个人资料页,全面排查了他以往上传的所有历史记录并集中向托管商投诉。短短片刻之后,这名嚣张用户的所有资源库全部灰飞烟灭。 对于调查人员而言,核查并举报仅需几分钟,但对于这些恋童犯罪分子来说,重新打包、上传海量大文件需要耗费数倍的时间与精力。这场针对暗网资源命脉的降维打击初见成效,直接重创了犯罪社区的资源流转效率。 调查团队成员在复盘这次行动时总结道:“对我们来说删除只需要几分钟,但对恋童癖来说,重新上传所有东西需要漫长得多的时间。” - 每天有数百个涉及儿童性剥削的下载链接被成功打掉。 - 至少三家主流文件托管平台实现了数分钟至数小时内的极速响应与全量清理。 --- ### [12:41](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=761s) 走访南德托管商:十万条链接与失灵的官方监管 面对如此顺畅的清除速度,调查团队产生了一个核心疑问:这些文件托管平台真的不知道自己的服务器上存有极其恶劣的违法内容吗?记者开始尝试与其中一家响应极快、极具配合意愿的托管平台取得直接联系。令人意外的是,这家服务背后并不是庞大的跨国企业,而是一名生活在德国南部的独立运营者。在前期沟通中,记者整理并向他发送了一份包含超过10万条涉嫌虐童内容链接的清单。在收到清单后,对方陷入了数小时的沉默,随后在短短三个小时之内,将清单对应的逾10万张图片全部从服务器上永久清除。 为了当面了解平台方的真实处境,记者决定驱车前往南德登门拜访。由于这位站长是一名听障人士,双方此前从未打过电话或视频通话,所有沟通均通过纯文本聊天进行。调查团队在手语翻译的协助下按响了门铃,随后通过文字沟通说明来意并获得了进门许可。面对手机镜头的突访,站长坦诚地通过手语翻译还原了当时的震惊与恐慌。他解释称,由于服务器上托管着数以百万计的普通用户文件,根据法律上的“主机商特权”(Hoster-Privileg),平台并没有对全量文件进行主动内容审查的法定义务与技术能力,只有在收到具体的违法举报后才须履行删除义务。而当记者询问德国执法机关过往的联络频率时,站长给出的答案令人大跌眼镜:官方执法机构在过去几年中几乎形同虚设,全年仅有零星一两次联系,涉及图片也仅有区区数张。 ```mermaid flowchart TD accTitle: 托管商内容处理流程对比 accDescr: 对比德国官方执法机构与记者调查团队向托管平台举报违法内容时的处理量与响应结果 subgraph Gov["官方执法机构"] G1["年均联络 0-3 次"] --> G2["仅要求处理约 5 张图片"] end subgraph Invest["记者调查团队"] I1["单次提交超 100,000 条链接"] --> I2["独立托管商 3 小时内全量下线"] end subgraph Host["南德独立托管商平台"] H1["承担海量文件托管(依据主机商特权无主动审查义务)"] H2["收到举报后即刻执行清除"] end G2 --> H1 I2 --> H1 H1 --> H2 ``` 当被问及看到超10万条举报链接的第一反应时,南德托管商通过手语翻译直言不讳地回忆道:“我打开并阅读了那封电子邮件,那对我来说瞬间是一个巨大的打击,我首先感到害怕,担心警察现在可能会逮捕我,担心自己会受到惩罚,因此我立刻把所有属于那些图片的资料全部删除了。” - 记者向南德独立站长一次性提交了超过10万条涉案链接,对方在3小时内将其全数删除。 - 站长透露,2020年德国官方执法部门对他的通报记录为0次,2019年仅有1次,2021年约3次,且每次仅涉及约5张图片。 --- ### [17:21](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1041s) 全球平台震动与被遗忘六年的受害者 南德托管商的经历并非孤例,全球范围内的大多数文件托管服务商在收到举报后,基本都能在48小时内做出封禁响应。甚至有一家位于法国的托管服务商在收到记者的批量举报邮件后深受震动与愧疚,直接做出了永久关闭整个网站业务的极端决定。法国站长在写给全网用户的告别信中痛心疾首地表示,由于收到大量确凿证据,证实自己的服务长期被滥用于存储和传播儿童色情暴力内容,他不愿再成为此类罪恶的温床,因此决定将运营多年的平台彻底关停。 这反衬出一个极其荒谬的现实:既然民间记者能如此轻易地推动跨国服务商删帖封站,为何大量极端残忍的侵害影像却能在公网上长年安然无恙?记者在暗网论坛的检索中发现,部分有效下载链接的存活时间甚至长达六年;另一条已经在线两年的链接,其背后是针对一名年仅六岁女童实施极重度性侵犯的43张高清照片。两年来,无数恋童癖可以不受任何阻碍地随时下载这些残害幼童的罪证,而调查记者仅仅花了十分钟提交举报,就彻底终结了该链接的长年传播。 面对如此巨大的反差,调查记者看着已被清理的恶性侵害链接痛心疾首地感慨道:“这一条链接,43张照片,而我们只花了十分钟就把它从互联网上彻底抹去了,这简直令人难以置信。” - 全球绝大部分涉事文件托管商均在收到记者的举报后48小时内删除了非法文件。 - 记者查获的最长存活链接在网络中公开滞留长达6年之久。 - 某包含43张虐待6岁女童照片的恶性链接长年未被官方干预,记者仅用10分钟即实现下线。 --- ### [20:00](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1200s) 父亲的心碎控诉:Marcel Jeninga 的绝望与当局的缺位 影像长年挂在网上的荒谬现实,对受害者家庭而言是一场永无止境的酷刑。来自荷兰、现居德国的 Marcel Jeninga 勇敢地走到镜头前,向记者倾诉了这起摧毁了他全家生活的灭顶之灾。他的女儿在婴儿时期直到三岁期间,遭到了邻居 Gert 令人发指的长期性侵。事发当天,他在三岁的女儿身上发现了严重伤口,前妻给孩子清洗时孩子仍在出血,幼小的女儿懵懂地说出是邻居 Gert 所为。调查随后发现,外婆经常在父母外出时让邻居进屋,而邻居在他们家中疯狂拍摄了超过10万张残害女童的极端虐待照片并传上网络。 罪犯随后被判刑并关押于精神收容机构,但侵害并没有随着罪犯的落网而终结。那些包含了捆绑、拘束等极端残酷暴力的影像,早已被散布到了暗网各大论坛之中,供无数恋童分子随意传阅。为了对抗这一黑暗产业链,Marcel 创立了“Kampf Gegen Missbrauch”(向虐待宣战)组织。当记者告诉他,调查团队仅凭民间力量向托管商群发链接,就在几天之内促使成千上万条虐童资源彻底蒸发时,这位心碎的父亲既震惊又愤慨。他一方面痛恨自己年幼的孩子在网络上被千万恶魔窥视,另一方面对监管和执法部门的长期缺位感到无比心寒。 谈到女儿的悲惨遭遇与官方的不作为,父亲 Marcel Jeninga 哽咽着控诉道:“我知道要把那些东西从网上撤下来很困难,但是官方机构必须做出更多努力来把它们拿下来。” - 犯罪分子针对婴儿期至3岁女童拍摄了超过10万张极端虐待照片,并在暗网大肆传播。 - Marcel Jeninga 发起成立了“Kampf Gegen Missbrauch”互助维权组织,呼吁社会与官方加大清理力度。 --- ### [24:18](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1458s) 暗网论坛的反制脚本与攻防逆转 记者的持续打击让暗网恋童论坛的资源储备遭受了前所未有的重创。为了抵御这种大规模、高频率的链接失效,论坛内的技术人员开始采取防御性反制措施:他们编写了一套专用的检测脚本(Script)并公开发布在论坛版块中,号召全体成员运行使用。该脚本能够自动化、批量化地对用户发布的历史链接进行健康度扫描,快速筛查出哪些链接依然存活、哪些链接已经被服务商封禁删除,以便发布者能够精准对失效资源进行重新上传和“补种”。 然而,这种自作聪明的技术反抗很快走向了反面。这套原本为了抵抗清除、便于犯罪分子追踪坏链的自动化工具,其开源代码和检测逻辑在公开发布后,也完整地暴露在了调查团队面前。记者同样可以利用完全相同的逻辑与工具,高效识别暗网中残存的活跃链接,从而更精准、更迅速地发起下一轮定点清除。暗网群体的垂死挣扎,反倒为反性侵调查提供了更高效的“导航地图”。 调查人员在解析论坛技术动态时敏锐地指出:“如果你们能看到哪些链接依然活着,那我们同样也可以做到。” - 暗网论坛开发并公开了一套自动化检测脚本,用以区分有效资源与被举报删除的链接。 - 这一原本用于协助犯罪分子重新补种上传的技术工具,反向为记者的定向清理提供了精准的侦测手段。 ### [25:16](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1516s) 脚本武器化:数万条链接与主机商的闪电清除 调查记者团队对原本由恋童犯罪分子用来批量下载的脚本进行了技术改造。这件原本助长犯罪的工具,转眼间变成了反制他们的致命武器。记者让脚本在暗网论坛中彻夜自动爬取,短时间内收集到的链接规模从最初的区区几百条暴增至数万条。团队将这些链接再次分批发送给各大文件托管服务商(Hosters)。他们心里的设想非常明确:只要主机商配合删除,这个庞大的暗网论坛瞬间就会沦为一个毫无可用内容的空壳。 紧张的等待很快迎来了转机。首个做出反应的正是规模最大的主机商——来自瑞典的 Solidfiles。记者在监控终端上亲眼目睹链接状态在几秒钟内发生断崖式转变:原本屏幕上一排排跳动的“up”(在线)瞬间全部翻转成了“down, down, down”(已下线)。紧接着,记者收到了服务商发来的确认邮件,对方在信中写道:“Guten Tag, ihr Löschersuchen wurde bearbeitet und es ist für valide befunden worden.”(您好,您的删除申请已被处理,且被认定有效。)最终,团队向六家主机商提交了总计约 80,000 条侵权链接,所有主机商在 48 小时内均完成了下架处理。这批被清除的数据总量高达 13.55 TB,其体量相当于一整年 24 小时不间断播放的高清(HD)视频。令人玩味的是,虽然各大主机商均迅速删除了文件,但在被问及为何会托管这类内容时,绝大多数企业都选择保持沉默。 在对外部托管链接发起总攻的同时,记者团队直接在暗网论坛中给管理员发去了私信,坦承正是他们在幕后推动批量删帖。该论坛管理员网名为“The Antediluvian”(大洪水之前,源自《圣经》典故)。出人意料的是,这位管理员很快回复了消息。凭借暗网混迹的经验,对方一眼看出记者绝非官方执法人员,直言“真正的调查人员从不干这种事”。当记者追问这种大规模删除是否会对论坛造成实质性打击时,管理员给出了极为关键的论断,坦承这种做法完全能把一个论坛“活活折腾死”:只要有人持之以恒地删下去,论坛用户终究会流失殆尽,管理员自己也只能关门大吉。 ```mermaid flowchart TD accTitle: 脚本反制与暗网内容清除流程 accDescr: 展示记者如何改造恋童工具脚本,批量抓取并迫使主机商下架暗网非法内容的闭环链路。 subgraph SCRIPT["1. 工具逆向改造"] A["改造恋童犯罪脚本"] --> B["全夜自动爬取暗网论坛"] B --> C["提取约 80,000 条下载链接"] end subgraph REMOVAL["2. 跨国主机清理"] C --> D["分发举报至 6 家主机商"] D --> E["Solidfiles (瑞典) 率先封杀"] E --> F["48小时内全员清理 (13.55 TB)"] end subgraph IMPACT["3. 论坛生态打击"] F --> G["论坛链接全面失效 (Down)"] G --> H["管理员坦言: 持续删除将导致关站"] end ``` - 脚本收集并举报的链接总数:约 80,000 条 - 涉及的外部文件托管服务商:6 家 - 彻底清除耗时:最长不超过 48 小时 - 累计删除的数据量:13.55 Terabyte(约合 1 年 24 小时连续播放的 HD 视频) - 论坛管理员代号:The Antediluvian(大洪水前) --- ### [27:55](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1675s) 专访联邦刑警局(BKA):官方口径与现实数字的巨大落差 在政界高层的公开表态中,清除网络传播源头始终被摆在至关重要的位置。联邦内政部长曾严正指出,除了即时的性侵伤害本身,这些音视频在网络上的留存更是施加在受害者身上的无尽痛苦;绝不能让这些内容永久在线供人获取,否则受害者将面临长达一生的反复二次伤害,因此下架删除是无可替代的刚性要求。怀着探究官方实际行动的疑问,记者驱车前往位于威斯巴登的德国联邦刑警局(BKA)总部,约访了德国打击针对儿童性暴力犯罪的最高级警官、同时也是侦破暗网最大虐童平台“Boystown”的核心专案组负责人——汉斯-约阿希姆·莱昂(Hans-Joachim Leon)。 在镜头前,莱昂亲自演示了警方如何落实内政部要求的日常删除流程。他打开电脑,调出刚刚由青少年保护机构 jugendschutz.net 转交的一宗案件线索。警方录入相关 URL,对页面进行审核,屏幕随即显示出衣着暴露且摆出露骨姿态的幼女照片。莱昂在屏幕前明确表态:“Das ist eindeutig strafrechtsrelevant, das muss aus dem Netz gelöscht werden.”(这无疑具有刑法相关性,必须从网络上删除。)他解释道,警方平均需要耗费一天半到两天的时间来协调各方让这类网页下线,下线后再次访问就会显示“该页面已不存在”。官方将这一工作方针总结为“删除优先于屏蔽”(Löschen statt sperren)。然而官方公布的数据却极为单薄:BKA 全年删除的链接数量仅为 7,000 条左右,与暗网中汪洋大海般的存量形成了鲜明反差。即便如此,莱昂依然极力强调清理网络的重要性:“Es ist so wichtig, diese Dateien aus dem Netz zu löschen, sie zu finden und zu löschen, weil das ist für uns die Eintrittskarte in bisher vielleicht noch nicht tatentschlossene Pädokriminelle, die darüber das Interesse bekommen.”(将这些文件从网络上删除、去搜寻并清除它们是极其重要的,因为对我们而言,这正是那些原本可能尚未下定犯罪决心的恋童罪犯滋生兴趣的‘入场券’。)他进一步强调,避免已知受害者因影像持续扩散而遭受持续侵害,是执法机关不可推卸的核心使命。 --- ### [30:33](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=1833s) 质问警务逻辑:抓捕罪犯与源头删除的资源博弈 面对莱昂关于“删除至关重要”的高调宣称,记者当场亮出了自己的底牌。他们直接向这位警界高官展示了此次记者的调查成果:仅仅凭一名记者的一台电脑,只花了约 6 个小时的实际操作时间,就完成了 80,000 条链接的梳理,并在 48 小时之内迫使主机商下架了高达 13.55 TB 的数据。记者尖锐质问:为什么民间记者随手就能在世界最大论坛里端掉多年未管的海量内容,而拥有国家机器资源的全球执法部门却放任数以万计的链接挂在暗网数年不管? 莱昂的反应揭示了警方在办案理念与现实资源上的深刻局限。他辩解称,记者虽然把内容从公网上删掉了,但并没有把文件从罪犯的本地硬盘中抹去。面对记者的质疑,莱昂直截了当地划清了警务界限:“Also es ist ein sinnvoller Einsatz. Nur Sie müssen irgendwann ressourcenmäßig überlegen, was ist das Ziel von Strafverfolgungstätigkeit.”(这确实是一项有意义的行动。但从资源角度出发,你必须权衡刑事追诉活动的终极目标究竟是什么。)他声称,警方的核心精力必须聚焦于直接锁定施暴者和关停整个平台,根本不可能调集数百名警力去 24 小时全天候监控和清理网络。记者随即反驳:这根本不需要“数百人”,一个人半天就能干完;而受害者最痛苦的心结,恰恰是自己的受虐录像在暗网上无休止地流转。面对记者的步步紧逼,莱昂道出了警方的现实权衡:“Ich kann überlegen, versuch ich dort andauernd zu löschen, obwohl sie in 1.000 Kellern vorhanden sind auf 1.000 Servern und dann wieder hochgeladen werden oder geht es mir darum, das muss ich ja entscheiden als Polizei, denjenigen zu bekommen, der aktuell den Missbrauch durchführt.”(我可以考虑是否要一直去删,哪怕这些文件还存在于一千个地下室的一千台服务器上,随时会被重新上传;或者作为警察我必须做出决断,去抓捕那些眼下正在实施侵害的人。)尽管他最终承认记者在逻辑上是对的,但也只能无奈地推托称,需要由其他部门来厘清此类清理职责到底该归谁管。离开 BKA 后,记者在街头复盘时感慨,官方不应陷入“要么救孩子抓凶手,要么下架删帖”的非此即彼怪圈;彻底放弃清理,只会让暗网生态愈发野蛮生长,让更多人接触到更极端的违法内容。 --- ### [33:40](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=2020s) 追问州内政部长与反思:破坏平台生态能否阻断犯罪? 为了弄清到底谁该对网络清理承担责任,记者找到了长期高调主张严打网络虐童犯罪的北莱茵-威斯特法伦州内政部长赫伯特·罗伊尔(Herbert Reul)。在查看了记者的测试成果以及极低的技术门槛后,这位以强硬著称的政治家表现出了意外的务实与谨慎。当被问及这是否应当成为德国警方的正式法定任务时,罗伊尔坦言自己不敢轻易开出空头支票,因为尚无法通盘评估全面推行所需的编制与体制成本。不过,对于记者通过连续不断地向主机商投诉、从生态上将犯罪论坛“活活折腾死”的策略,罗伊尔深表认同:“Verbrechen kannst du nicht mit einem Schlag aufklären, bei manchen musst du dranbleiben, stören, unattraktiv machen, es erschweren, es ist eine interessante und kluge Strategie, keine Frage.”(打击犯罪绝不可能一蹴而就;在某些领域,你必须持之以恒,去干扰它、降低其吸引力、增加其运作难度,这毫无疑问是一个有趣且明智的策略。)他当场表态,这是一个值得认真审视的构想,有关部门应当严肃评估其可行性以及后续如何落地执行。 在全片的尾声,记者抛出了一个发人深省的现实隐喻:那位此前在巴拉圭落网、曾操盘“Boystown”平台的德国籍核心头目,目前虽已被引渡并关押在德国监狱,但他生前上传的大量虐待录像却依然在互联网上广泛流传,原因正是警方在破案后并未跟进进行源头清理。执法部门倾注全部资源去抓捕现行犯当然无比正确,但正如片头专家所警告的,暗网平台是促使恋童群体思想极端化、进而将罪恶念头付诸现实行动的催化剂。如果能够通过常态化的彻底删除,让这些论坛彻底丧失流通功能、陷入技术瘫痪,许多潜在的恋童倾向者或许就根本不会走到在现实中摧毁无辜儿童一生的那一步。 - 德国北威州内政部长 Herbert Reul 表态:该策略属于“干扰犯罪生态”的有效思路,承诺严肃探讨落实可能 - 核心现实痛点:落网主犯已被羁押于德国,但其历史上传的侵权影像仍在网络上继续流传 - 核心预防逻辑:通过瘫痪暗网信息生态,切断潜在罪犯从网络观看到现实犯罪的极端化链条 ## Notable quotes > [11:12](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ&t=672s) 对我们来说删除只需要几分钟,但对恋童癖来说,重新上传所有东西需要漫长得多的时间。 — 调查团队成员 ## Mentioned STRG_F, Panorama, ARD, Boystown, Christian Manfred K. (Progressor), The Antediluvian, Julia Bussweiler, 法兰克福总检察院 (Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main), Robert, Marcel Jeninga, Gert, Kampf Gegen Missbrauch, Solidfiles, 德国联邦刑警局 (BKA), Hans-Joachim Leon, jugendschutz.net, Herbert Reul, Dropbox, Google Drive ## Video description ⚠️Warnung: In diesem Video thematisieren wir sexuelle Gewalt gegen Kinder⚠️ Marcel Jeninga fällt es immer noch schwer darüber zu sprechen. Seine Tochter wurde als sehr kleines Kind von einem Nachbarn missbraucht - und der hat davon über 100.000 Fotos gemacht. Viele davon hat er in pädokriminellen Foren im Darknet geteilt. „Ich finde das heftig, die Pädophilen gucken meine Tochter“, sagt er. Er wisse, dass es schwer sei, die Bilder wegzubekommen: „Aber die Behörden müssen mehr machen, um das runterzuholen.“ Ist es wirklich so schwer? Daniel und Benny haben es versucht und Unglaubliches geschafft: Insgesamt rund 80.000 Links, 13,55 Terabyte Daten konnten sie aus dem wohl größten pädokriminellen Forum der Welt entfernen – und das Forum zeitweise fast lahm legen. Sogar der Admin schrieb ihnen und gab zu, dass man ein Forum so auf Dauer zu „Tode nerven“ könne. Was wir uns gefragt haben: Warum macht das eigentlich niemand anderes? Zum Beispiel die Polizei? Eine gemeinsam Recherche von STRG_F mit Panorama (ARD). Ein Film von Lutz Ackermann, Robert Bongen, Benjamin Güldenring und Daniel Moßbrucker, Kamera: Lutz Ackermann, Robert Bongen, Andrzej Król, Jan Littelmann, Henning Wirtz Schnitt: Claudia Qualmann, Jan Littelmann Grafik: Fritz Gnad #internetforum Ihr habt Themenvorschläge? Schreibt uns an: strg_f@ndr.de Ihr wollt nichts verpassen? 💌 Abo: https://bit.ly/2SKo6UH 📸 Instagram: https://www.instagram.com/strg_f/ 🐦 Twitter: https://twitter.com/strg_f ______________ Wir gehören auch zu #funk! Schaut da mal rein: YouTube: https://youtube.com/funkofficial Instagram: https://www.instagram.com/funk TikTok: https://www.tiktok.com/@funk Website: https://go.funk.net [Source](https://www.youtube.com/watch?v=iItLpwkQMUQ)

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[11:12] 调查团队成员: 对我们来说删除只需要几分钟,但对恋童癖来说,重新上传所有东西需要漫长得多的时间。

Original transcript

[0:00] (Dynamische Musik) (off:) Das hier ist wirklich ... [0:02] (Seufzen) Krass. [0:04] (off:) Das ist das größte Forum der Welt, [0:06] in dem Aufnahmen von Kindesmissbrauch getauscht werden. [0:09] Wir haben es fast lahmgelegt. [0:11] Indem wir dort über 13 Terrabyte Fotos und Videos gelöscht haben. [0:16] Viele Stunden, teils schlimmste sexuelle Gewalt gegen Kinder [0:19] einfach weg. [0:20] (Dröhnende Musik) [0:24] Es ist total einfach. [0:25] (off:) Deshalb fragen wir uns ... [0:28] Alter, warum macht das kein anderer? [0:30] (Dröhnen) [0:31] (Angespannte Musik) [0:33] (off:) Vor ein paar Monaten in Paraguay. [0:35] (Unruhige Musik) [0:37] In einem kleinen ländlichen Ort namens Belén. [0:42] Am 12. April gegen 20 Uhr kommen Polizisten in ein abgelegenes Haus. [0:48] Sie haben einen internationale Haftbefehl dabei. [0:51] Sichern Beweise, Computer, Festplatten. [0:55] Denn sie suchen einen Mann, der sich Progressor nennt. [0:59] Er ist Administrator von Boystown. [1:01] Einer rieseigen Darknet-Plattform, auf der Fotos und Videos [1:05] von Kindesmissbrauch getauscht werden. [1:07] Hier betreut er Kommentare, achtet auf Regeln. [1:10] Penibel und gewissenhaft. [1:12] (Unruhige, angespannte Musik) [1:14] Und er wird festgenommen. [1:16] Christian Manfred K. aus Deutschland. [1:19] Alle feiern die Ermittler. [1:22] Deutschen Ermittlern ist ein Schlag gegen sexualisierte Gewalt an Kindern [1:26] im Internet gelungen. [1:27] Ermittler haben eine der weltweit größten Kinderpornoplattformen [1:31] im sogenannten Darknet gesprengt. [1:33] Die Darknet-Plattform Boystown. [1:35] Gegen die Plattform wurde seit Monaten international ermittelt. [1:38] Sie hatte weltweit 400.000 Mitglieder. [1:42] Vier Deutsche wurden festgenommen, einer in Paraguay. [1:45] Das war wirklich ein großer Ermittlungserfolg. [1:48] Das Forum Boystown war auf einmal weg, offline. [1:51] Und damit auch 10.000 Fotos und Videos, [1:54] die schwerste Kindesmisshandlung dokumentieren. [1:57] Aber wir haben da was gefunden. [1:59] Schon fünf Tage nach dieser Abschaltung [2:02] hat 'n Unser in 'nem anderen Forum [2:04] 'nen Dump hochgeladen. [2:05] Das ist 'ne Spiegelung von Boystown, so 'ne Art Kopie. [2:09] Und die war wieder erreichbar, das heißt Boystown war wieder online. [2:13] (Dynamische Musik) [2:14] (off:) Sind Ermittler machtlos? [2:16] Kann man dieses Material nie wieder einfangen? [2:20] Vielleicht gibt es da einen Weg. [2:22] Aber um das zu erklären, [2:23] müssen wir an den Anfang unserer Recherche gehen. [2:27] Aber vorher noch eine Warnung. [2:28] Es wir hier von schlimmer sexueller Gewalt gegen Kinder die Rede sein. [2:32] Guckt nur weiter, wenn ihr euch stark genug dafür fühlt. [2:35] Wirklich. [2:37] (Dynamische Musik) [2:40] In diesem speziellen Raum haben wir recherchiert. [2:43] Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. [2:45] Ohne uns zum Beispiel irgendwelche Bilder [2:47] in einschlägigen Darknet-Foren anzeigen zu lassen. [2:50] Dabei haben wir was entdeckt. [2:53] (Unruhige Musik) [2:55] Wir sehen hier, man kann jetzt dieses Video, [2:59] wo eben zu sehen ist ... [3:00] offensichtlich, dass ein 11-jähriges Mädchen missbraucht wird, [3:04] kann man sich runterladen. [3:05] Man kriegt hier die Info, wo man sich die Sachen runterladen kann. [3:09] Das Spannende ist, wir sind in einem Darknet-Forum. [3:12] Das ist völlig anonym, du weißt nicht, wer dahintersteckt. [3:15] Wenn man sich jetzt anschaut, was das für Links sind, [3:18] dann enden die alle nicht auf irgendwelche Darknet-Adressen, [3:21] sondern eben auf "fr", ".com", [3:23] ".com", ".com". [3:25] Das heißt, diese Inhalte selber, [3:27] die liegen gar nicht im Darknet. [3:29] (Unruhige Musik) (off:) Noch mal der Reihe nach. [3:32] Um ihre Aufnahmen zu tauschen, treffen sich Pädokriminelle [3:35] in anonymen Darknet-Foren. [3:38] Doch dort speichern sie ihre Aufnahmen nicht, [3:41] zu wenig Speicherplatz. [3:42] Stattdessen laden Pädokriminelle ihre Aufnahmen bei Speicherdiensten, [3:46] sogenannten Hostern, hoch. [3:47] Die liegen im Clear Web. im ganz normalen Internet. [3:50] Dieser Hoster sind im Prinzip Anbieter [3:52] wie Dropbox oder Google Drive, [3:54] über die man große Daten teilen kann. [3:56] Jetzt teilen die Pädokriminellen [3:58] untereinander die Links zu ihren Daten. [4:00] So tauschen sie die Aufnahmen. [4:02] Die Hoster im Clear Web bekommen davon nichts mit. [4:06] (Unruhige Musik) [4:08] Der Inhalt selber liegt nicht im Darknet, [4:11] sondern im ganz normalen Internet. [4:13] Und ... [4:15] Das hat uns erst mal ziemlich überrascht. [4:17] Weil man, wenn man hört Kinderpornografie-Forum, [4:20] dann liegen ja da die ganzen Inhalte. [4:23] Und dann haben wir uns gefragt, wie würden denn Hoster [4:26] regieren, wenn man denen das einfach mal sagt? [4:29] (off:) Wir haben uns die größte Seite der Welt vorgenommen, [4:32] auf der diese verstörenden Inhalte geteilt werden. [4:35] Den Namen nennen wir nicht. [4:37] Hier findet man schreckliche Dinge, ernsthaft unter diesem Motto: [4:41] Allein die Titel der Threads sind abstoßend. [4:46] (Unruhige Musik) [4:52] Derzeit sind dort rund 3,7 Millionen Nutzerkonten registriert. [4:56] Vermutlich sind das real weitaus weniger Menschen. [4:59] Aber das Forum hat eine beachtliche Größe. [5:02] Hier sammeln wir die Links zu den Filehostern ein. [5:05] (Unruhige Musik) [5:07] Was ich jetzt wiederum einfach nur mache, [5:09] ich kopiere hier diesen Link. [5:11] Kopieren, einfügen, das kriegt jeder hin. [5:15] So, den auch. [5:17] Das Passwort kopieren. [5:21] So. [5:23] Und wenn ich diese Information dem Hoster liefere: [5:25] Hey Hoster, bei diesen Dateien, für dich sieht das gewöhnlich aus, [5:29] aber Achtung, da steckt Kinderpornografie dahinter. [5:32] Wenn du willst, geb ich dir das Passwort, dann kannst du nachschauen. [5:36] Dann können die Hoster sehen, okay, von unseren Tausenden Inhalten, [5:40] die wir auf unseren Servern haben, [5:42] sind das zwei Kinderpornografie-Inhalte, [5:44] die löschen wir jetzt. [5:45] Und genau ... ein Report sieht im Zweifel so aus, [5:49] dass ich dann hier halt sehe, [5:52] das sind die Links, die ich kopiert habe, [5:54] hier unten steht das Passwort. [5:56] (off:) So melden wir ein paar Links. [5:58] (Unruhige Musik) [6:00] Per E-Mail an die Hoster. [6:02] Die sitzen überall auf der Welt, viele leben davon, anonym zu sein. [6:06] Aber überall kann man illegale Inhalte melden. [6:09] (Unruhige Musik) [6:11] Ich bin ein ordentlicher Mensch. [6:14] Jeden Tag ... da sind sozusagen alle Reports, [6:16] die ich bisher abgegeben hab. Also wir haben ... [6:19] 120 Reportings bisher abgegeben. [6:22] (Unruhige, dynamische Musik) [6:23] (off:) Und tatsächlich. [6:25] Die Hoster reagieren, löschen Content. [6:28] Schlimmster Missbrauch von Kindern, Kleinkindern, sogar Babys. [6:32] Zack, einfach weg. [6:35] (Unruhige Musik) [6:38] Es ist total einfach, also es ist ... [6:41] das ist das Schlimme, [6:42] es ist wirklich einfach. [6:43] Dann frag ich mich häufig schon, okay ... [6:46] ich sehe hier, dass dieser Inhalt [6:48] zwei Jahre online war ... [6:50] und mich kostet's 'ne Mail, [6:53] und der Inhalt ist runtergenommen. [6:55] Ähm ... da frag ich mich dann schon echt häufig so ... [6:58] Alter ... [6:59] warum macht das kein anderer? [7:01] (Unruhige Musik) [7:02] (off:) Man kann sich vorstellen, dass diese Missbrauchshandlungen [7:06] so ungefähr das Schlimmste sind, was einem Menschen passieren kann. [7:09] Wenn dann noch Aufnahmen davon im Netz kursieren, [7:12] wie geht man damit um? [7:13] Mein Kollege Robert findet eine junge Frau, [7:16] die als Kind von ihrem Onkel missbraucht wurde. [7:18] Ich wollte mich noch mal melden, weil du ... [7:21] angedeutet hattest, dass wir uns mal treffen können. [7:25] Ähm ... ich hatte dir ja auch von der Recherche erzählt. [7:28] Es ist total bewusst, wie sensibel das ist. [7:31] Genau. [7:32] Das ist total verständlich. [7:35] Das ... wir würden uns erst mal so treffen, [7:38] ohne Kamera natürlich. [7:39] Sag mal die Straße bitte. [7:44] Dann sehen wir uns am Wochenende. [7:47] Ciao! - "Tschüss". [7:51] Boah, Alter, ey. [7:52] (Seufzen) [7:54] Das ist ... das sind echt Gespräche ... [7:56] wo du genau weißt, dass diese ... [7:59] Menschen so viel krasse ... [8:01] Dinge erlebt haben und ... [8:03] diese Vorstellung, dass diese Bilder von ihnen im Netz ... [8:07] immer noch hochgeladen werden ... und sie hat grad noch mal gesagt, [8:10] in diesem Moment kann es sein, dass grad sich irgendjemand [8:14] wieder diese Darstellung von damals anguckt. [8:16] Die Fotos, die von ihr gemacht worden sind. [8:19] Und die Vorstellung, das bringt sie dazu, [8:21] niemals mit dieser ganzen Geschichte abschließen zu können. [8:24] (off:) Wenig später sagt die junge Frau wieder ab. [8:27] Sie sagt, sie kann es einfach nicht. [8:29] Aber sie schreibt noch einmal. [8:31] (Klingeln) [8:35] (Beklemmende Musik) [8:52] Noch mal zurück zu dem Mann aus Paraguay: Progressor. [8:55] Die Plattform Boystown, die er betrieben hat mit paar anderen, [8:59] die wurde ja abgeschaltet. [9:00] Und wir haben diesen Dump, diese Spiegelung von Boystown gefunden. [9:04] Und darin stehen ziemlich viele Links. [9:06] Die haben wir jetzt mal geprüft, und leider, wenn man da draufklickt, [9:10] funktionieren die immer noch. [9:12] (off:) Wir dachten, [9:13] das sollte die zuständige Staatsanwaltschaft interessieren. [9:16] Julia Bussweiler, sie arbeitet bei der Generalstaatsanwaltschaft [9:20] Frankfurt am Main. [9:21] Ihre Behörde hat Boystown hochgenommen. [9:23] Bussweiler ermittelt regelmäßig gegen Pädokriminelle. [9:26] Und weiß genau, welche Rolle [9:28] Plattformen wie Boystown für die Szene haben. [9:30] Wir haben festgestellt durch Vernehmungen von Beschuldigten, [9:34] die identifiziert werden können, [9:36] dass sie gesagt haben, seit ich mich dieser Plattform angeschlossen habe, [9:40] seit ich dort tagtäglich anwesend war, [9:43] und mich mit Leuten auseinandergesetzt habe, [9:45] dass mich das dazu motiviert hat oder zum Teil unter Druck gesetzt hat, [9:49] noch mehr Missbrauchshandlungen an meinen Kindern zu begehen, [9:53] weil die Community mich dazu aufgefordert hat, [9:55] noch mehr Material zu posten. [9:57] Und Vorschläge gemacht hat, was ich noch machen könnte. [10:00] Insofern sehen wir in solchen Plattformen [10:02] 'ne große Gefahr. [10:04] Dass sich solche Netzwerke eben ... radikalisieren [10:08] und dass schlimmere Missbrauchshandlungen [10:10] an Kindern verübt werden. [10:12] (off:) Wir zeigen Julia Bussweiler, [10:14] dass wir Boystown wiedergefunden haben. [10:17] Sie reagiert ziemlich abgeklärt. [10:19] (Unruhige Musik) [10:21] Man darf sich da keine Illusionen machen. [10:23] Das Material wird nicht verschwinden aus dem Netz. [10:26] Es gibt diesen Spruch: "Das Netz vergisst nie." [10:29] Er ist leider hundertprozentig wahr. [10:31] Dass diese Inhalte auf anderen Plattformen auftauchen [10:34] und weiterhin verfügbar sein werden, [10:36] allein auf den zahlreichen Datenträgern [10:38] der Personen, die sich Boystown bedient haben. [10:40] Der Laie würde sagen, supergroßer Erfolg, [10:43] die vier Leute festgenommen zu haben. [10:45] Aber es wirkt halt ein Stück weit inkonsequent, [10:47] wenn die Inhalte dieser Leute noch online sind irgendwie. [10:50] Und weiter online bleiben offenbar. [10:52] Wenn sie nicht konsequent gelöscht werden. [10:55] Das kann ich verstehen, diese Überlegung. [10:57] Aber letztendlich ist es so ... [10:59] ja, das ist der Kampf gegen Windmühlen. [11:02] (off:) Klar, das Netz vergisst nichts. [11:04] Aber kann man wirklich gar nichts machen? [11:07] (Dynamische Musik) [11:10] Wir sammeln weiter Links in den Foren. [11:12] Jeden Tag ein paar mehr und reporten an die Hoster. [11:15] (Dynamische Musik) [11:19] Nun gehen schon Hunderte Links pro Tag offline. [11:24] Man merkt, dass es immer mehr wird [11:27] mit Inhalten, die gelöscht werden. [11:30] Es sind jetzt drei Hoster dabei, die binnen Minuten [11:33] oder maximal Stunden sämtliche Inhalt entfernen. [11:37] Und im Forum gibt es die Ersten, die sagen: [11:41] "Hey, das sieht komisch aus, hier werden Links reportet." [11:45] (off:) Unsere Arbeit bleibt nicht unbemerkt. [11:48] Viele User sind das nicht gewohnt. [11:51] Sie reagieren zunehmend sauer, frustriert. [11:55] (Dröhnende Musik) [11:57] Einer gibt sich kämpferisch. [12:00] Sollen wir Arschlöcher doch die Links melden, schreibt er. [12:04] Er lade einfach mehr hoch und mehr [12:06] und mehr ... [12:08] Okay, wir sind Journalisten, aber ... [12:11] Wir haben das jetzt mal ... [12:13] genutzt und haben uns das Profil von dem ... [12:16] User angesehen und haben alles, was er bisher hochgeladen hat, [12:20] jetzt mal abgesucht, haben's gemeldet. [12:23] (Dröhnen) [12:24] Und dann war sein gesamtes Material offline. [12:30] Es dauert für uns nur ein paar Minuten, zu löschen. [12:32] Aber es dauert für die Pädos viel, viel länger, [12:35] alles wieder hochzuladen. [12:37] Es scheint, als sei unser Angriff effektiv. [12:40] (Dynamische Musik) [12:41] Natürlich haben wir uns gefragt, [12:43] wissen die Filehoster wirklich nicht, [12:45] was da auf ihren Servern liegt? [12:47] Wir beginnen, mit einem der Hoster zu mailen. [12:50] Er reagiert sehr schnell und löscht. [12:52] Hinter dem Dienst steht ein einzelner Typ, er lebt in Süddeutschland. [12:56] (Unruhige, dynamische Musik) [13:05] Er ist aus meiner Sicht extrem kooperativ, er antwortet [13:08] sehr schnell, er zeigt großes Interesse, [13:11] die Sachen zu löschen. [13:13] Wir haben ihm 'n Dokument geschickt, als Teil unserer Recherche ... [13:18] von über 100.000 Links. [13:20] Die er jetzt bekommen hat. [13:22] Ich höre seit ein paar Stunden nichts mehr von ihm. [13:26] Der ... hat einige zu tun. [13:29] (off:) Auch die 100.000 Bilder löscht er. [13:31] Binnen drei Stunden. [13:33] Wir wollen ihn treffen, er stimmt zu. [13:36] Dann schweigt er lange. Klar, wer will schon mit diesem Thema [13:39] in Verbindung gebracht werden? [13:41] Wir fahren einfach auf gut Glück los. [13:43] Ich hab überhaupt kein Bild so genau, wen ich jetzt treffe. [13:49] Was auch daran liegt ... [13:51] dass er gehörlos ist und wir nie telefonieren konnten. [13:54] Das heißt, wir haben wirklich immer nur bisher gechattet. [13:59] Auch nie 'n Video oder so gesehen, deswegen ... [14:02] ja, ich erwarte jemanden, der sich sehr gut mit Computern auskennt. [14:07] (Dynamische Musik) [14:11] Erst keine Reaktion auf unser Klingeln. [14:16] Wir schreiben ihm. [14:19] (Dynamische Musik) [14:22] Ups ... - (off:) Dann lässt er uns rein. [14:25] Und stimmt sogar spontan einem Handyinterview zu. [14:27] Eine Gebärdendolmetscherin war für uns schon stand-by. [14:31] (Treibende Musik) [14:34] Was hast du gedacht, als du diese Mail von mir gelesen hast [14:38] mit über 100.000 Links, was waren da deine Gedanken? [14:52] (Dolmetscherin:) Ich hab die E-Mail geöffnet, hab sie gelesen. [14:55] Und das war sofort 'n absoluter Schock für mich. [14:58] Dann hab ich Angst erst mal bekommen, [15:00] dass die Polizei mich jetzt vielleicht festnimmt. [15:03] Dass ich 'ne Strafe bekomme. [15:06] Und deshalb hab ich sofort alles ... [15:10] was an Bildern war, hab ich sofort gelöscht. [15:13] Und ... [15:19] also hab keine Zeit verloren, [15:21] als ich das gesehen habe. [15:23] Jede Sekunde ist dann kostbar in dem Moment, ne? [15:27] Ihr fragt euch jetzt vielleicht, wie kann's denn sein, [15:30] dass der Typ so viele 10.000, 100.000 [15:34] illegale Fotos auf seinen Servern hat und es nicht merkt? [15:37] Dazu müsst ihr wissen, der hat halt Millionen Fotos auf seinen Servern. [15:41] Die User dort einfach hochgeladen haben. [15:43] Und er muss das jetzt auch nicht ... [15:45] aktiv prüfen, ob das illegal ist oder nicht. [15:48] Das kann der auch gar nicht angesichts der Dimensionen. [15:51] Die Rechtslage ist da eindeutig. [15:53] das ist das sogenannte Hoster Privileg. [15:55] Er muss dann Inhalte löschen, wenn ihm gemeldet wird: [15:58] "Hey, das ist illegal." [15:59] Genau das hat er getan, wir haben ihm die Links gemeldet, [16:02] dann hat er sie sofort von seinen Servern entfernt. [16:05] Haben Behörden mal dir gesagt, dass bei dir solche Bilder liegen? [16:14] (Dolmetscherin:) Ja. [16:15] Regelmäßig, aber die Zahl war relativ [16:19] wenig, von der Anzahl her. [16:21] (Daniel:) Wie oft [16:23] sind deutsche Behörden dann ungefähr ... [16:26] auf dich zugekommen und haben gesagt, [16:29] hey, da ist Kinderpornografie auf deinem ... [16:32] Dienst? [16:36] (Dolmetscherin:) Also in diesem Jahr ... [16:39] vielleicht dreimal. - Mhm. [16:42] Ja, letztes Jahr ... [16:47] null. [16:48] Gar nicht. [16:49] Genau. [16:52] Und 2019 [16:54] einmal. [16:56] (Daniel:) Und wir reden dann halt ... [16:58] über wie viele Bilder bei diesen paar Malen? [17:06] (Dolmetscherin:) Also ungefähr fünf Bilder [17:09] waren betroffen. [17:11] (off:) Noch mal zum Vergleich, wir hatten ihm über 100.000 Bilder [17:15] zum Löschen geschickt. [17:16] Mittlerweile versucht er, seinen Dients für Nutzer, [17:19] die anonym bleiben wollen, zu sperren. [17:21] Und nicht nur er löscht schnell. [17:23] Auch andere Filehoster weltweit reagieren in maximal 48 Stunden. [17:28] Einer schaltet seinen Dienst sogar komplett ab, [17:30] weil er so geschockt ist. [17:32] Ein Hoster aus Frankreich. [17:34] Er schreibt einen Abschiedsbrief an seine User. [17:37] Darin heißt es, er habe massenhaft Hinweise erhalten, [17:40] dass sein Dienst für kinderpornografische Inhalte [17:43] missbraucht werde. [17:44] Er meint unsere E-Mails. [17:46] Darum werde der Hostingdienst nach vielen Jahren eingestampft. [17:52] Was haben Sie da gedacht, als Sie unsere E-Mails [17:55] bekommen haben mit so vielen Links? [17:58] (Er spricht französisch.) [18:43] Was glauben Sie, warum Ihnen das [18:45] auch Strafverfolgungsbehörden nie gesagt haben? [18:57] (off:) Und so liegen die Missbrauchsinhalte [19:00] teilweise ewig im Netz. [19:01] Der älteste Link, den wir gefunden haben, lag da sechs Jahre. [19:05] Auch dieser Link hier war schon zwei Jahre online. [19:08] Hier geht's ... also ... [19:10] das ist nicht irgendein Inhalt, sondern ... [19:13] dieser Inhalt, der zwei Jahre ... [19:16] online war und online geblieben ist, [19:19] zeigt den Missbrauch ... [19:21] eines sechsjährigen Mädchens. [19:24] Das heißt, das ist ... schwerster Missbrauch, [19:28] den sich zwei Jahre lang Leute ... [19:32] ähm ... [19:33] runterladen konnten. [19:36] Dieser eine Link ... [19:37] 43 Bilder ... [19:39] Und ... ja, für uns hat's ... [19:42] zehn Minuten gebraucht, um ihn aus dem Netz zu nehmen. [19:48] Das ist einfach unglaublich. [19:50] (Dröhnende Musik) [19:51] (off:) Warum macht das keiner? [19:52] Versucht euch mal ansatzweise vorzustellen, [19:55] euch widerfährt etwas Schlimmes und jahrelang stehen Fotos davon [19:58] im Netz zum Download. [20:00] Robert hat jemanden gefunden, der darüber reden will. [20:03] Dessen Tochter wurde missbraucht, als sie ... [20:07] bis zu ihrem dritten Lebensjahr ... [20:09] im Grunde genommen mehr oder weniger [20:11] vom Säuglingsalter bis zum dritten Lebensjahr. [20:15] Unfassbare Geschichte, kann man sich gar nicht vorstellen. [20:18] Und von dem Mädchen sind viele Aufnahmen gemacht worden. [20:23] Tausende, sagt er, und ins Netz gestellt worden. [20:26] Und er ist sich sicher, dass diese Aufnahmen immer noch im ... [20:30] Netz, in den entsprechenden Darknet-Foren kursieren. [20:33] (Angespannte Musik) [20:38] Hallo, ich grüße Sie. [20:41] Hallo. - Hi! [20:42] (off:) Marcel Jeninga stammt aus den Niederlanden. [20:46] Seit einigen Jahren wohnt er in Deutschland. [20:48] Der Missbrauch seiner Tochter hat auch sein Leben zerstört. [20:51] Mittlerweile hat er eine Organisation gegründet: [20:54] "Kampf Gegen Missbrauch". [20:56] Seine Tochter war drei Jahre alt, [20:58] als er bei ihr eine Verletzung entdeckte. [21:01] (Angespannte Musik) [21:02] Ich hab meine ... [21:04] Exfrau hab ich beigeholt und hab ich ... [21:07] gesagt, du musst mal gucken. [21:09] Hat sie die Kleine gepackt, ist nach oben gegangen [21:12] hat sie sauber gemacht und sie war immer noch am bluten. [21:16] Und ... [21:18] Ja, und meine Frau hat gesagt, [21:22] wie kommt das? [21:23] "Ja hat Gert gemacht." [21:25] Und Gert war unser Nachbar. [21:27] (off:) Die Oma hatte Gert reingelassen, immer dann, [21:30] wenn Marcel und seine Frau nicht da waren. [21:32] Warum, weiß er bis heute nicht. [21:34] Der Nachbar war erst im Knast, jetzt in einer geschlossenen Einrichtung. [21:38] Und ... ja, er hat ... [21:40] ja ... bei uns zu Hause hat er Kinderporno gedreht und ... [21:45] das hat er ins Internet gesetzt. [21:48] Wahrscheinlich auch auf dem Darknet, das weiß man hier nicht. [21:51] Und er hat über 100.000 Fotos gemacht, [21:55] und das ist echt hardcore Kinderporno, was er gemacht hat. [22:00] Ich finde das sehr schwierig, [22:01] ich krieg jetzt schon wieder einen Brocken im Hals. [22:06] Da ist geworden ... [22:08] meine Tochter ist geworden fest ... [22:11] getapet. [22:12] Und mit Kabelbinder festgemacht. [22:16] Das ist so schrecklich und ... [22:21] Ja, ich finde das heftig. [22:27] Vor allen Dingen, weil sie ... ich mein, sie war ja [22:30] ein Baby. - Drei Jahre alt. [22:32] Und davor ja auch. [22:33] Von der Geburt bis zum dritten Lebensjahr [22:36] haben sie Kinderporno gefunden bei ihm auf seinem Rechner. [22:39] Von Ihrer Tochter? - Von meiner Tochter. [22:42] Unvorstellbar. - Ja. [22:43] Und das hat der auch geteilt mit anderen Leuten. [22:47] Ja. [22:49] Das heißt, vieles von dem Material ist auch ins Netz gekommen? [22:52] Ja, das ist im Internet gelandet. [22:55] Was macht diese Vorstellung mit Ihnen, dass diese [22:58] Aufnahmen, Fotos, Videos ... [23:02] im Darknet, im Internet [23:04] in den entsprechenden Foren ... [23:07] gelandet sind, was macht das mit Ihnen? [23:09] Ich finde das heftig. Warum? Dass meine Tochter ... [23:14] ist im Internet zu finden. [23:17] Und das ist knallhart Kinderporno. [23:21] Und ... [23:24] die Pädophilen gucken nach meiner Tochter [23:28] und das finde ich ... [23:31] so abartig ... [23:32] Ich hab da auch kein Wort jetzt in meinem Mund. [23:35] Aber ich finde das so schrecklich. [23:37] Und das muss so schnell wie möglich aus dem Internet. [23:40] Aber ich weiß, es ist schwierig, das runterzukriegen. [23:44] Aber die Behörden müssen mehr machen. [23:47] Um das ... runterzu ... [23:51] holen. [23:52] Wir haben das mal gemacht und Links an die Hoster geschickt. [23:57] Das waren viele, viele 1.000. [23:59] Und wir waren überrascht, dass die Hoster [24:01] innerhalb von wenigen Tagen gelöscht haben. [24:04] Was sagen Sie dazu? - Das ist doch Wahnsinn. [24:06] (Dröhnende, unruhige Musik) [24:18] Die Pädosexuellen ... [24:21] versuchen, zu reagieren ... [24:23] auf unseren Angriff, indem sie ... [24:26] ähm ... sich ... [24:28] ein Werkzeug gebaut haben sozusagen, dass ihnen anzeigt, [24:31] welche Links schon gemeldet wurden [24:33] und welche noch nicht. [24:35] Das ist ein sogenanntes Script. [24:37] (Unruhige Musik) [24:38] (off:) Dieses Script haben sie ins Darknet-Forum gestellt. [24:41] Damit es alle verwenden können. [24:44] (Unruhige Musik) [24:48] Dieses Script ... [24:50] hilft denen zu sehen, okay, die Links von mir, die funktionieren noch, [24:54] die führen noch zu Videos oder Fotos. [24:57] Und die hier wurden schon reportet, [24:59] das heißt, die muss ich eventuell neu hochladen. [25:03] Und das ist natürlich für die hilfreich. [25:07] Für uns aber auch, also ... [25:09] (Unheilvolle Musik) [25:11] Wenn du siehst, welche Links noch live sind, können wir das ja auch. [25:16] (off:) Wir bauen das Skript ein bisschen um [25:18] und aus dem Pädowerkzeug wird eine geniale Waffe gegen sie. [25:23] Wir lassen das Skript über das Forum laufen [25:25] und können jetzt automatisch alle Links einsammeln, [25:28] eine ganze Nacht lang. [25:30] Jetzt sind nicht mehr nur ein paar 100 Links, [25:33] jetzt sind es Zehntausende. [25:35] (Unheilvolle Musik) [25:40] Wieder schicken wir die Links den Hostern. [25:42] Wenn das klappt, wird's ein riesiges Forum ohne Inhalte. [25:46] (Lockere Musik) [25:51] Dann heißt es: warten. [25:54] (Lockere Musik) [25:59] Der erste Host scheint reagiert zu haben. [26:02] Und zwar gleich der größte. [26:07] Solidfiles aus Schweden. [26:09] Hier sieht man jetzt von einer auf die andere Sekunde, [26:13] sagt er: down, down, down. [26:17] Wir sehen also hier, vorher hat er immer gesagt "up", also online, [26:22] und jetzt down, down, down. [26:26] Ha, jetzt krieg ich auch ein E-Mail. [26:30] Pfff. [26:35] Guten Tag, ihr Löschersuchen wurde bearbeitet [26:40] und es ist für valide befunden worden. [26:47] Wow. [26:49] Insgesamt rund 80.000 Links haben wir an sechs Hoster geschickt. [26:53] Alle haben spätestens innerhalb von 48 Stunden gelöscht. [26:56] (Angespannte Musik) [26:59] Insgesamt 13,55 Terabyte. [27:02] Das entspricht ungefähr einem Jahr Video in HD-Qualität. [27:06] Alle Hoster löschen. [27:08] Aber auf die Frage, was sie eigentlich dazu sagen, [27:10] schweigen die allermeisten. [27:14] Zeitgleich zu diesem Großangriff [27:16] schreiben wir dem Administrator des Forums, [27:18] sagen ihm, dass WIR die Links löschen lassen. [27:21] Er nennt sich The Antediluvian. [27:23] Ein Begriff aus der Bibel, die Zeit vor der Sintflut. [27:27] Tatsächlich, er antwortet. [27:29] Für ihn ist sofort klar, dass wir keine Ermittler sind, [27:32] die machten so was nicht. [27:34] Aber richtet dieses Löschen keinen Schaden an, fragen wir? [27:37] Er sagt: Klar, man könnte so ein Forum zu Tode nerven. [27:41] Wenn man nur lange genug lösche, könne es passieren, [27:44] dass die Leute gehen und die Admins den Laden dicht machen. [27:47] (Unheilvolle Musik) [27:50] Aber Ermittler machten das ja nicht. [27:52] Zeit mit denen zu reden. [27:55] (Ernste Musik) [27:57] Behörden sollen nicht nur Täter finden, [27:59] sondern eben auch Material löschen. [28:01] So will es der Innenminister. [28:05] Neben dem unmittelbaren Missbrauch [28:07] tritt die Speicherung der Bilder und Videos im Netz - [28:11] was für ein unermessliches Leid, dass die Täter den Kindern zufügen. [28:16] Das Bild oder Videomaterial [28:19] darf auch keinen Fall dauerhaft online abrufbar sein. [28:23] Die Betroffenen werden sonst immer wieder zum Opfer [28:27] und zwar ein Leben lang. [28:31] Die Löschung dieser Bilder und Videos ist daher unverzichtbar. [28:36] Wir haben einen Termin in Wiesbaden beim Bundeskriminalamt. [28:40] (Ernste Musik) [28:49] Dort treffen wir den obersten deutschen Bekämpfer [28:51] von sexueller Gewalt gegen Kinder. [28:55] Hans-Joachim Leon leitet auch die Einheit, [28:57] die den Hintermännern von Boystown auf die Schliche kam. [29:01] Er zeigt uns, wie sie hier den Auftrag des Innenministers erledigen [29:05] und Inhalte löschen. [29:06] (Ernste Musik) [29:09] Hier haben wir eine Seite, hier haben wir mitgeteilt bekommen [29:12] jetzt vor Kurzem von jugendschuzt.net. [29:14] Wir geben die URL ein, überprüfen dann die Seite. [29:17] Hier sehen wir Abbildungen von jungen, leicht bekleideten Mädchen [29:22] in, ja, doch eindeutiger Pose. [29:25] Das ist eindeutig strafrechtsrelevant, [29:27] das muss aus dem Netz gelöscht werden. [29:30] Normalerweise schaffen wir das im Durchschnitt nach anderthalb [29:34] bis zwei Tagen solche Seiten vom Netz zu bekommen. [29:38] Anschließend, wenn Sie die Adresse eingeben, [29:40] die uns mitgeteilt worden ist, finden wir dann hier diese Mitteilung: [29:44] Diese Seite ist nicht mehr existent. [29:47] Das ist so die Arbeit: löschen statt sperren. [29:50] Das BKA lässt also auch löschen, überschaubare Mengen. [29:53] Laut offiziellen Zahlen rund 7.000 Links im letzten Jahr. [29:57] Und dennoch: Löschen sei wichtig und könne auch Straftaten verhindern. [30:01] Es ist so wichtig, diese Dateien aus dem Netz zu löschen, [30:05] sie zu finden und zu löschen, [30:07] weil das ist für uns die Eintrittskarte [30:10] in bisher vielleicht noch nicht tatentschlossene Pädokriminelle, [30:14] die darüber das Interesse bekommen. [30:16] Aber es geht hier auch ganz eindeutig um den Opferschutz, [30:19] dass Bilder von bekannten Opfern, [30:22] dass die aus dem Netz gelöscht werden [30:25] und nicht diese Viktimisierung durch die Weiterverbreitung stattfindet. [30:29] Und das ist essentieller Auftrag auch an die Strafverfolgungsbehörden. [30:33] (off:) Als er diesen Satz sagt, weiß er noch nicht, was wir gemacht haben. [30:37] Wenn es dem BKA so wichtig ist, die Links zu löschen, [30:40] wieso finden wir dann Zehntausende Links, [30:42] die teils seit Jahren in den Foren stehen? [30:44] Wir zeigen ihm, was wir gemacht haben. [30:47] Und jetzt werden die Prioritäten der Ermittler deutlich. [30:51] Das heißt, wir reden insgesamt über 80.000 Links, die wir gemeldet haben, [30:55] eine Datenmenge von 13,5 Terabyte [30:58] Wir haben das mal ausgerechnet, das wäre so viel, [31:03] wie wenn man sich ein Jahr lang 24 Stunden am Tag [31:08] Videos in HD-Qualität anschauen würde, [31:10] über so eine Datenmenge reden wir. [31:13] Es ist uns da gelungen, binnen 48 Stunden, [31:17] alles aus dem Netz zu holen. [31:21] Ähm, was sagen Sie dazu? [31:24] Sie haben es aus dem Netz gelöscht, [31:26] aber Sie haben es von der Festplatte des Täters nicht gelöscht. [31:30] Das heißt, Sie würden das nicht machen? [31:32] Also es ist ein sinnvoller Einsatz. [31:34] Nur Sie müssen irgendwann ressourcenmäßig überlegen, [31:37] was ist das Ziel von Strafverfolgungstätigkeit. [31:40] Wie ich gesagt habe, wir wollen Plattformen vom Netz nehmen, [31:44] wir wollen Missbraucher feststellen. [31:46] Wir können natürlich, wenn Sie sagen, wir haben das hier festgestellt, [31:51] Hunderte von Leuten ransetzen, die das Internet ganztags überwachen, [31:54] das ist schier unmöglich. [31:56] Sie sprechen Ressourcen an, [31:58] es hat ehrlicherweise für uns sechs Stunden gedauert, [32:01] das zu machen als Einzelperson. [32:05] Deswegen hab ich mir total die Frage gestellt: [32:07] Okay, du bist hier im aktuell größten Forum der Welt, [32:10] es dauert ungefähr einen Tag, um so eine Menge aus dem Netz zu nehmen, [32:14] wie kann es sein, dass alle Strafverfolgungsbehörden dieser Welt [32:18] diese Arbeit nicht machen? [32:19] Ich versuche, mich auf die Missbrauche zu konzentrieren, [32:22] ich versuche, die Personen zu identifizieren. [32:25] Alles total verständlich, [32:26] nur wir haben auch mit Betroffenen gesprochen, die sagen uns: [32:31] Die Vorstellung sei total belastend, [32:33] dass diese Aufnahmen von dem Missbrauch der sexuellen Gewalt [32:37] im Zweifel immer wieder in den Foren auftauchen. [32:40] Warum löschen Sie da nicht konsequent? [32:44] Ich kann überlegen, versuch ich dort andauernd zu löschen, [32:48] obwohl sie in 1.000 Kellern vorhanden sind auf 1.000 Servern [32:52] und dann wieder hochgeladen werden oder geht es mir darum, [32:55] dass muss ich ja entscheiden als Polizei, [32:57] denjenigen zu bekommen, der aktuell den Missbrauch durchführt. [33:01] Natürlich haben Sie recht. [33:03] Aber wir müssten schauen, wer für den Bereich dann zuständig ist. [33:07] (Unruhige Musik) [33:12] Wie fandest du es? [33:14] Ich würde wegkommen wollen von diesem entweder-oder. [33:17] Entweder Kinder retten und Täter finden, [33:20] was zweifelslos unglaublich wichtig ist, was wir machen müssen. [33:23] Aber es kann nicht sein, [33:26] dass wir deswegen gar nichts mehr machen in Sachen löschen, [33:29] weil diese Darknet-Foren immer größer werden, immer mehr Leute hinkommen, [33:33] die sich immer mehr bedienen können, immer härteres Zeug bekommen. [33:37] Das kann doch auch nicht im Sinne der Polizei sein. [33:40] (off:) Wer also fühlt sich zuständig? [33:42] Wenn's das BKA nicht macht, wer macht's denn dann? [33:45] (Lockere Musik) [33:48] Wir treffen Herbert Reul, Innenminister in NRW. [33:51] Gibt seit Jahren den Vorkämpfer für Missbrauchsbilder im Internet. [33:55] (Leises Gespräch) [33:57] Auch ihm zeigen wir unsere Ergebnisse [33:59] und erklären ihm, wie einfach es wäre zu löschen. [34:05] Würden Sie sagen, das könnte auch Aufgabe der deutschen Polizei sein? [34:09] Sondern, dass man sagt, hey, lass uns versuchen, diese Massen einzudämmen. [34:15] Ich will es nicht ausschließen, [34:16] ich fordere es nicht mehr so leichtfertig, [34:19] weil ich nicht überblicke, was das dann bedeutet. [34:21] Aber ja, es muss ja jemand tun. [34:23] Es ist ja schon gut, wenn die einen Hinweis bekommen und löschen, [34:27] dann hat sich ja schon was geändert. [34:29] Ich bin ja ein Mann, der sich an kleinen Erfolgen festklammert. [34:32] Also wenn die Hosts auf einen Zuruf von Ihnen sagen: Wir löschen. [34:36] Ist schon mal schön. [34:37] Sozusagen, man könnte die schon richtig ärgern, [34:40] wenn man die löscht, [34:41] wenn man immer wieder deren Inhalte zu den Hosts schickt, [34:44] die löschen lässt, dann ist irgendwann dieses Forum ... [34:48] Bei der Methode bin ich bei Ihnen, mach ich in anderen Feldern auch. [34:51] Verbrechen kannst du nicht mit einem Schlag aufklären, [34:54] bei manchen musst du dranbleiben, stören, unattraktiv machen, [34:58] es erschweren, [34:59] es ist eine interessante und kluge Strategie, keine Frage. [35:02] Ich finde das Konzept interessant und wir sollten es ernsthaft prüfen [35:06] und gucken ob und wie wir es umsetzen. [35:09] (Ruhige Musik) [35:12] Übrigens, der Deutsche, der in Paraguay festgenommen worden ist, [35:16] der einer der Chefs von Boystown war, [35:18] der sitzt jetzt in Deutschland im Knast. [35:21] Viele seiner Inhalte sind aber weiter im Netz, [35:24] weil die Ermittler sie nicht gelöscht haben. [35:29] Denn die Ermittler:innen wollen im Moment all ihre Ressourcen [35:33] da rein investieren, Täter zu fassen und Kinder zu schützen. [35:36] Das ist auch absolut richtig und wichtig, die Frage ist nur: [35:40] Könnten nicht mehr Taten verhindert werden, [35:42] wenn man konsequenter in den Foren löscht, [35:44] wenn man dort für Unruhe sorgt. [35:46] Hören wir noch mal an den Anfang unseres Films. [35:49] Insofern sehen wir in solchen Plattformen [35:51] 'ne große Gefahr. [35:53] Dass sich solche Netzwerke eben ... radikalisieren [35:57] und dass schlimmere Missbrauchshandlungen [35:59] an Kindern verübt werden. [36:01] Na ja, wenn solche Foren halt nicht mehr funktionieren, [36:05] dann könnten Pädosexuelle [36:06] vielleicht gar nicht mehr auf schlimme Gedanken kommen [36:10] und ihre Fantasien im realen Leben ausleben. [36:13] Was meint ihr? [36:14] Wäre das eine Strategie? Sollte man konsequenter löschen? [36:17] Schreibt uns das gerne in die Kommentare. [36:19] Hier noch zwei Filme, die ich euch empfehlen würde. [36:23] Erst mal ein Film, den hab ich mit meiner Kollegin Pia zusammen gemacht, [36:27] da geht's darum, wie geklaute Kinderfotos von Social Media [36:30] in solchen Foren landen können, [36:32] über die wir hier im Film gesprochen haben. [36:34] Und noch ein Film von Represent, da geht's darum, [36:37] wie Ermittler mit Hilfe von künstlicher Intelligenz [36:39] Pädophile jagen.